Geeste (dpa) - Er erinnert ein wenig an einen Dinosaurier, wegen des Aussehens, und von der Größe her sowieso: Der gewaltige Ottomeyer-Pflug beherrscht die Ausstellungshalle des Emsland Moormuseums in Geeste unweit der niederländischen Grenze. 20 Meter ist der riesige Pflug lang, zehn Meter hoch.

Museumschef Michael Haverkamp steht neben dem Rad des Technik-Giganten und sieht dabei ziemlich klein aus - kein Wunder bei einem Durchmesser von vier Metern. Der Ottomeyer-Pflug namens "Mammut" war in der Region von den 50er bis in die 70er Jahre im Einsatz, um abgetorfte Moorflächen in begehrtes Ackerland zu verwandeln.

Der Torfabbau prägte das Emsland über Jahrhunderte. Das Leben war hart und entbehrungsreich in den Moorkolonien. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges änderte sich alles: 1950 beschloss der Bundestag den "Emslandplan". Die Moore in Nordwest-Niedersachsen wurden in einem Gewaltakt trockengelegt. Sie wurden urbar gemacht, für die Wirtschaft und die Ansiedlung von Menschen. Der Region gelang dank des Emslandplans der Aufschwung vom Armenhaus Deutschlands zu einer wirtschaftlichen Boom-Region.

Moor ist wichtiger Kohlendioxid-Speicher

Der Preis, aus heutiger Sicht: Es gibt nur noch wenige Moore. "Die meisten sind verschwunden, aber zum Glück nicht alle", sagt Haverkamp. Inzwischen schaut man auf die verbliebenen Moore als wichtige Speicher des Klimagases Kohlendioxid und schätzt ihren Artenreichtum an Pflanzen und Tieren.

Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) entziehen Moore der Atmosphäre jedes Jahr weltweit 150 bis 250 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Experten schätzen für Deutschland, dass in Mooren genauso viel Kohlenstoff gesichert ist wie in Wäldern, obwohl Moore nur vier Prozent der Landfläche bedecken und Wälder rund 30 Prozent. Umgekehrt geben entwässerte Moore unter anderem riesige Mengen an CO2 an die Atmosphäre ab und tragen damit zum Klimawandel bei.

Haverkamp leitet das Museum seit 2003. Nach den Anfängen als Sammlung alter, ausgemusterter Torfabbaumaschinen des Heimatvereins sei das Haus inzwischen das bedeutendste Moormuseum Europas. "Wir sind Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur", erklärt Haverkamp.

30 Hektar Ausstellungsfläche

Die Schätze des Museums sind auf einer Fläche von 30 Hektar verteilt, in zwei Ausstellungshallen und dem Freigelände. Vieles können die Besucher im wahrsten Sinn erleben - etwa bei einer Fahrt mit einer historischen Feldbahn, die in einer guten halben Stunde die etwa drei Kilometer lange Rundstrecke durchs Moor abfährt.

In der Ausstellung wird die wirtschaftliche Bedeutung des Torfabbaus für die Region und den gesamten nordwestdeutschen Raum gezeigt. Ein Modell zeigt das frühere Torfkraftwerk Rühle bei Meppen, das 1974 stillgelegt wurde. Wer weiß heute noch, dass Torf auch als Energieträger zur Stromgewinnung genutzt wurde? Auf Irland gebe es noch solche Kraftwerke, sagt Haverkamp. Das Kraftwerk Rühle ist längst abgerissen. "Es wäre ein schönes Museum gewesen", bedauert Haverkamp. Das Modell wurde nach den Originalplänen rekonstruiert.

Seit zehn Jahren wird neben der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Moore auch der Naturschutz- und Ökologieaspekt der Moore thematisiert. Anlass war die Gründung des niederländisch-deutschen Naturparks Bourtanger Moor - Bargerveen. Das Emsland Moormuseum liegt mittendrin. Die Themen Moorökologie, die Flora und Fauna der Moore und nicht zuletzt der Zusammenhang mit dem Klimawandel sollen einen noch größeren Stellenwert gewinnen und eigener dritter Schwerpunkt des Museums werden.

Wie Menschen früher auf dem Archehof lebten

Auf einem Archehof können die Besucher nacherleben, wie karg die Menschen früher im Moor gelebt haben. Daneben gackern Totlegerhühner, eine alte, inzwischen bedrohte Hühnerart. Auf der Wiese nebenan rekeln sich Bunte Bentheimer Schweine im Matsch - das Museum beteiligt sich am Erhaltungsprogramm dieser alten Haustierrasse. Haverkamp ist damit auch Schweinezüchter. Bentheimer Landschafe sollen dazu beitragen, dass die Moorlandschaft ihren offenen Charakter behält und nicht mit Birken zuwächst. Auch Diepholzer Gänse schnattern über das Museumsgelände.

Durch die Corona-Pandemie sei das Haus bislang relativ gut gekommen, sagt Haverkamp. Die Einnahmeausfälle wegen der Schließung von Mitte März bis Anfang Mai habe das Land zur Hälfte übernommen. Durch Ausstellungsverschiebungen und andere Maßnahmen sei Geld gespart werden. Derzeit habe das Museum etwa 40 Prozent der Jahresbesucherzahl von rund 25.000.

Um Einnahmeausfälle der niedersächsischen Landesmuseen zu kompensieren, hat das Land nach Angaben des Wissenschafts- und Kulturministeriums insgesamt 405.000 Euro vorgesehen. Darüber hinaus seien bisher insgesamt rund 715.000 Euro als Corona-Hilfen an Museen in Niedersachsen geflossen.

Wie es den Museen generell in der Corona-Pandemie gehe, darüber habe der Museumsverband Niedersachsen-Bremen noch keine Zahlen, sagte Verbandssprecherin Agnetha Untergassmair. Noch sind aber nicht alle Museen wieder offen. "Die Museen, die bereits wieder für den Publikumsverkehr geöffnet sind, scheinen ganz unterschiedliche Erfahrungen zu machen", sagt Untergassmair. Vor allem bei Museen, die in Urlaubsregionen liegen, entwickelten sich die Besucherzahlen in den vergangenen Wochen ihr zufolge positiv.

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