Magdeburg l Es gibt auch eine gute Nachricht, die Steven Weidner mitteilen konnte. Die Rückreise verlief in diesem Jahr ohne besondere Vorkomnisse, er musste also nicht wieder in die deutsche Botschaft nach Sofia, um sich die Legitimation für den Abflug zu sichern. Vor zwei Jahren, als die U-23-Weltmeisterschaften der Ruderer ebenfalls in Bulgarien, genauer in Plovdiv, stattgefunden hatten, war Weidner quasi Dauergast im Wartesaal des Flughafens, weil er seinen Personalausweis verloren hatte.

Das war nur leider die einzige gute Nachricht, die der 20-Jährige vom SC Magdeburg in diesem Jahr aus Plovdiv mitgebracht hatte. Dafür schleppte er einen großen Rucksack voller Gedanken nach Platz zehn im Doppelvierer mit. „Das ist nicht das, was die Freude in mir erstrahlen lässt“, so Weidner: „Aber Plovdiv stand auch unter keinem Stern.“

Der Magen-Darm-Virus ging um, mit aller Kraft und voller Fahrt voraus. Der Virus zeriss zum Beispiel fast das komplette Aufgebot der spanischen Mannschaft, die USA mussten zwei Starts canceln, Österreich zog sich aus einer Disziplin zurück, weil die kulinarischen Kostbarkeiten in der WM-Kantine offenbar einen Stich hatten. Deutschland fuhr indes quasi krank: Mit Paul Konrad Peter (Hannover) und Steven Hacker (Dresden) saßen bereits im Halbfinale zwei Virusinfizierte im Doppelvierer, Henry Schwinde (Münster) plagten Halsschmerzen, nur Weidner fuhr gesund. „Unsere Kraft hatte einfach nicht gereicht“, erklärte der Magdeburger zum sechsten Platz über die 2000 Meter in der Vorschlussrunde. „Letztlich weiß keiner, wie gut das Boot wirklich war.“

Es war ja gut, nach Weidners Empfinden besser als die Boote, mit denen er bei der WM 2015 in Plovdiv Platz sieben und bei der WM 2016 in Rotterdam Rang sechs belegt hatte. „Wir waren bei den Trainingseinheiten unter Wettkampfbelastung stärker“, berichtete er über die Vorbereitung in Ratzeburg. „Und wir hatten das Gefühl, wirklich was drauf zu haben.“ Damit fuhren die vier Herren nach Plovdiv. Und enttäuscht kehrten sie zurück.

Am kommenden Montag beginnt Weidner seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei den Stadtwerken. Und vielleicht ist dieses Neuland für ihn gedanklich eine willkommene Abwechslung. Schon seit Rotterdam sinniert er über seine Zukunft im Leistungssport. Nach Plovdiv sind diese Gedanken gewachsen, weil „ich in den vergangenen drei Jahren nichts gerissen habe“, resümierte Weidner. 2017 hat er es erst nicht in den Einer geschafft, dann starb die Hoffnung auf den Doppelzweier. „Und wenn man dann so komplett unzufrieden ist, wird es eben schwierig.“ Zudem: In der nächsten Saison will er eigentlich der Elite den Kampf ansagen, „aber da kommen starke Leute zurück, die nach Olympia ein Jahr Pause eingelegt haben“, blickte Weidner voraus.

Aber wie geht es nun weiter? Der junge Mann, der im Frühjahr noch vor Kraft und Selbstvertrauen strotzte, selbst hat sich eigentlich schon eine Antwort gegeben: „Vielleicht brauche ich einfach mal eine Pause.“