13. Box-Runde: Ausschreitungen überschatten Kabayel-Sieg

Es hätte so schön sein können. Beim 150. SES-Kampfabend sehen 1000 Zuschauer einen gutklassigen Hauptkampf mit dem „Heimsieg“ von Agit Kabayel. Doch dann fliegen auch unter den Besuchern die Fäuste. Etwas, was es beim SES-Boxstall so noch nicht gegeben hat.

Von Von Gerald Fritsche, dpa

Magdeburg (dpa) – - Fassungslosigkeit bei den Protagonisten und ein Angst-Anruf der Mutter: Die Zuschauerausschreitungen nach dem WBA-Schwergewichts-Boxkampf um den Inter-Kontinental-Titel zwischen Agit Kabayel und dem Amerikaner Kevin Johnson Samstagnacht in Magdeburg haben den Sieg Kabayels nach dessen starkem Auftritt in den Hintergrund gerückt. „Ich kann mich nicht richtig über den Sieg freuen. Solche Leute machen den Boxsport kaputt“, sagte der Bochumer aus dem Magdeburger SES-Boxsstall im MDR-Fernsehen. Die Polizei ermittelte mit erhöhtem Kräfteeinsatz die Personalien und stellte Anzeigen wegen schwerem Landfriedensbruch und gefährlicher Körperverletzung.

Es waren seine Anhänger, die nach der Siegerehrung plötzlich ausrasteten. Wohl von einem Rollstuhlfahrer provoziert, der in Richtung Ring rollen wollte, ging es in die 13. Runde. Erst flogen die Fäuste, dann Stühle. Die Sicherheitsleute, die schlichten wollten, wurden selbst zu Opfern. Mindestens ein Mitarbeiter des Ordnungsdienstes sowie weitere Personen wurden leicht verletzt. Kabayel versuchte mit dem Mikrofon in der Hand seine Anhänger zu beruhigen und erwog kurzzeitig, selbst dazwischen zu gehen. „Dann hat meine Mutter angerufen und sich mit besorgter Stimme nach mir erkundigt. Mir fehlen noch immer die Worte“, sagte Kabayel.

„Wir hatten 1000 Zuschauer hier, von denen etwa 950 Boxen schauen wollten. Sowas hat bei uns, im Sport generell, nichts zu suchen“, sagte SES-Promoter Ulf Steinforth, der zum 150. Mal einen Kampfabend ausrichtete und mit einem ausgeklügelten Sicherheits- und Hygienekonzept im Zuge des Magdeburger Modellprojekts 1000 Zuschauer auf die Seebühne gebracht hatte.

Er kündigte an, künftig noch genauer hinzusehen, wer da kommt. „Wir haben ja eine komplette Nachverfolgung unserer Gäste mit Namensliste und Sitzplatznummern. Wir sind durch den Vorfall aber gewarnt und werden da noch genauer draufschauen“, sagte Steinforth. Bereits am 17. Juli soll es den nächsten Kampfabend in Magdeburg geben.

Dort wird Kabayel aber nicht antreten. Für den 28-Jährigen beginnt nun die Zeit der Erholung und des Wartens. Warten auf einen möglichen WM-Kampf, den er sich mit der Titelverteidigung und mittlerweile 21 ungeschlagenen Auftritten verdient zu haben glaubt. Von den zwölf Runden sahen ihn die Punktrichter gegen einen trotz seiner 41 Jahre erstaunlich konditionsstarken und fitten Johnson vorn. Lediglich in der sechsten Runde wackelte Kabayel nach einem Wirkungstreffer bedenklich. Dort hätte der in Gelsenkirchen lebende Amerikaner durchaus den angekündigten K.o.-Sieg landen können. Kabayel überstand aber diese kritische Phase, anschließend machte sich seine Schnelligkeit und sein taktisches Verständnis bezahlt. „Zum Schluss habe ich aber gemerkt, dass ich ein bisschen übertrainiert war“, sagte er.