Magdeburg (dpa) | In Sachsen-Anhalt sind am Wochenende rund 450 weitere Flüchtlinge angekommen. Geplant sei, darüber hinaus 50 Hilfesuchende aus Bayern aufzunehmen, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Magdeburg am Sonntagabend. Damit reagiert das Land auf Kritik von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Dieser hatte sich zuvor über mangelnde Unterstützung aus anderen Bundesländern beklagt. In Absprache mit Bayern sollen die Flüchtlinge mit dem Bus nach Halberstadt zur Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge (Zast) reisen. Eine Ankunftszeit war zunächst unklar.

Angesichts des starken Andrangs von Flüchtlingen hat die Bundesregierung am Abend beschlossen, vorübergehend wieder Grenzkontrollen einzuführen. Das kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin an. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) begrüßte das Vorhaben. Es sei "die einzig richtige Entscheidung", sagte der Innenminister am Sonntagabend in Magdeburg. "Der gegenwärtige Ansturm von Flüchtlingen muss letztlich von den Ländern gehandlet werden." Durch die Kontrollen könnten verstärkt denjenigen Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden, die schutzbedürftig sind. "Ein Bleiberecht für alle kann und wird es nach wie vor nicht geben können", sagte Stahlknecht.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) betonte noch vor der Entscheidung der Bundesregierung: "Ein unbegrenzter und unkontrollierter Zugang von Flüchtlingen überfordert alle Beteiligten und gefährdet die Integrationsbemühungen." Allein von Freitabend bis Samstag reisten 100 Flüchtlinge nach Sachsen-Anhalt. Bis Sonntagabend folgten rund 350 weitere Schutzsuchende. "Riesige Kapazitäten sind nicht vorhanden, aber es muss niemand draußen stehen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Die meisten wurden in der Zentralen Anlaufstelle für Flüchtlinge in Halberstadt (Zast) untergebracht, wo jetzt rund 2500 Menschen leben. Einige wenige wohnen in dezentralen Unterkünften im umliegenden Landkreis.