Berlin (gw) l Panoramen sind für Yadegar Asisi eine eigene Kunstform. Der Maler und Architekt entdeckte 1993 diesen Kunstraum für sich. Damals war der Berliner Ausstellungsarchitekt von „Sehsucht – das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts“ in der Bundeskunsthalle in Bonn. Seitdem wirken Panoramen, so sagt er, magisch auf ihn.

Neu sind sie keineswegs. Panoramen waren im 19. Jahrhundert äußerst populär. Mit ihnen wurden Städte, Landschaften, Schlachten gezeigt.

Als erster 360-Grad-Panorama-Maler gilt der in Edinburgh lebende Ire Robert Barker (1739–1806). Er malte im Jahr 1791 eine Ansicht von London, die sehr erfolgreich gezeigt wurde. Von Barker soll auch das Wort Panorama stammen, eine Wortzusammenführung aus dem Griechischen, die für All-Sicht steht. Parker meldete ein Patent darauf an und kam zu Wohlstand. Er war es auch, der Publikum und Bild zusammenbrachte – in einer Rotunde mit Plattform.

Solche Rundgebäude schufen den Raum für das Erleben. Schon damals stand der Betrachter in der Mitte und schaute auf eine perspektivische Darstellung. Mit der Entwicklung des Kinos gerieten die Panoramen in Vergessenheit.

Tübkes Bauernkriegspanorama

Das älteste Rundbild der Welt steht in Thun in der Schweiz. Der Basler Künstler Marquard Wocher hat es 1814 als erstes Panorama der Schweiz geschaffen. Es hat 38 Meter Lauflänge und zeigt die Kleinstadt Thun, die Umgebung mit Blick bis in die Alpen des Berner Oberlands. Das Panoramagemälde ist in einem sanierten Rundbau zu sehen, der in den 1960er Jahren errichtet wurde.

Der Maler Werner Tübke (1929–2004) steht im 20. Jahrhundert für das Panorama. Für sein monumentales Bauernkriegsgemälde in Bad Frankenhausen – 1722 Quadratmeter groß – wurde 1989 das Panorama-Museum eröffnet.

Yadegar Asisi nutzt seit 2003 das ehemalige Gasometer in Leipzig als Ausstellungsraum. Auch in Dresden griff der Künstler auf die großen Räume eines Gasometers zurück. Asisi selbst nennt sie Panometer, sein Wortspiel aus Panorama und Gasometer.

Panoramahäuser hat er derzeit in fünf Städten: Leipzig, Dresden, Berlin und seit Ende 2014 in Pforzheim (Baden-Württemberg) und im französischen Rouen. Für sein Lutherbild zum Reformationsjubiläum 2017 wird im Stadtzentrum von Wittenberg eine Rotunde gebaut. Der kreisförmige Neubau wird am Standort des Kultur- und Tagungszentrums entstehen. Er soll einen Durchmesser von 50 Metern haben. Träger des Projektes sind die asisi GmbH, der Verein Reformationsjubiläum 2017 und die Lutherstadt Wittenberg.