Schönebeck l Dieser Schlag hat sich für das Zollfahndungsamt Hannover und das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt am 7. Mai dieses Jahres gelohnt: 62 Kilogramm Rauschgift (Haschplatten sowie Amphetaminpaste) und 48 000 Euro mutmaßliches Drogengeld sind in einer Garage bzw. einem Auto in Schönebeck sichergestellt worden. Einer der beiden festgenommenen Männer steht seit Donnerstag vor dem Magdeburger Landgericht und muss sich wegen Drogenhandels in großem Stil verantworten.

Der Fall nahm bereits im April dieses Jahres in Holland und Duisburg seinen Lauf. Dort ermittelt die Staatsanwaltschaft in einem großen Komplex gegen mehrere Verdächtige der Holland-Duisburg-Connection. Der 36-jährige Angeklagte aus Schönebeck ist dabei offensichtlich nur ein Glückstreffer für die Fahnder in Sachsen-Anhalt.

„Sie gingen konspirativ vor“

Die Ermittler aus Nordrhein-Westfalen hatten einen von den Verdächtigen genutzten VW Caddy mit GPS-Sender verwanzt. Dabei stellten sie fest, dass der 49-jährige Fahrer auf der Autobahn 2 in Richtung Sachsen-Anhalt fährt. Am 22. April informierten die Duisburger darüber das örtliche Zollfahndungsamt. In Zivil nahmen die Beamten die Verfolgung ab Rasthof Börde auf. Der Kurier war in Richtung Schönebeck unterwegs.

Der Caddy, so berichtet der 39-jährige Zollfahnder dem Gericht, stoppte an einem Parkplatz in Höhe eines Schnellrestaurants in Schönebeck. Der Fahrer ging hinein. Der Angeklagte näherte sich mit einem Transporter und setzte sich mit einem Zweitschlüssel in den vom Kurier abgestellten Wagen. Mit ihm fuhr er weg und erschien später wieder am Ort mit dem Fahrzeug. Dann fuhr der Kurier damit wieder zurück nach Duisburg.

Am 6. Mai erhielten LKA und Zollfahndungsamt erneut eine Information über eine Kurierfahrt nach Schönebeck. Der 39-jährige Ermittlungsführer: „Die gingen immer sehr konspirativ vor.“ Weder auf den später bei der Festnahme sichergestellten Handys noch auf dem Laptop befanden sich Spuren. Am 7. Mai nahm ein Mobiles Einsatzkommando den türkischstämmigen Angeklagten und den 49-jährigen Kurierfahrer bei einer weiteren Lieferung fest. Letzterer soll sich gesondert vor einem Gericht in Duisburg verantworten. Ein LKA-Ermittler sagte im Prozess: „Bei dem beschlagnahmten VW-Caddy fiel uns die Ladefläche auf. Sie war offenbar umgebaut worden.“ Es gelang zunächst nicht, diesen offenbar abgetrennten Bereich zu öffnen. Verräterisch war ein dort eingeklemmtes Stück Papier, das auf einen Hohlraum deutete. Das Fahrzeug konnte erst von Fachleuten mit brachialer Gewalt in einer Werkstatt geöffnet werden. Die Ermittler trauten ihren Augen nicht, was zum Vorschein kam: Die Vorrichtung war mit einem kleinen Motor versehen, der eine Stahlplatte mit einer Spindel hochfährt und einen darunter befindlichen Hohlraum freigibt. Gesteuert wurde er über einen programmierten Transponder, der nur mit entsprechendem Chip den Mechanismus aktiviert. „Solch ein professionelles Drogenversteck hatten wir noch nie“, sagt der Rauschgiftfahnder.

Der Angeklagte erklärte, dass er nur für das Bunkern der Drogen in seiner Garage verantwortlich war. Er habe sich Geld geborgt und ihm seien für seine „Dienste“ jeweils tausend Euro von den Schulden erlassen worden. Der Prozess wird am 12. November fortgesetzt.

Nach Auskunft des Landeskriminalamtes wird auch in diesem Jahr wieder ein Anstieg der Drogendelikte erwartet. Neun Tote gab es bereits, darunter zwei Frauen. 2014 waren es sechs Drogentote.