Magdeburg l Zehn Monate nach der Einführung des Mindestlohns liegen erste belastbare Ergebnisse über die Folgen für den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt vor. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Halle ist durch die Einführung der Lohnuntergrenze die Zahl der Minijobs gesunken. Im März 2015 gingen nur noch 108 138 Menschen einer geringfügigen Beschäftigung nach, 5736 weniger als im März 2014. Das Minus beträgt damit etwa fünf Prozent.

Die meisten Minijobs, fast 5000, sind laut BA in den Branchen weggefallen, die wegen der Mindestlohn-Einführung gezwungen waren, die Löhne anzuheben. Dazu zählen unter anderem Gastronomie, Reinigung und Einzelhandel. Offenkundig hat es sich für manche Arbeitgeber nicht mehr gerechnet, Mitarbeiter als Minijobber zu beschäftigen. Denn diese dürfen im Monat maximal 450 Euro verdienen. Da die Unternehmen aber nun 8,50 Euro die Stunde zahlen müssen, hätten die Minijobber nicht mehr so viele Stunden arbeiten dürfen wie vor der Mindestlohn-Einführung. Tatsächlich arbeitslos sind aber wohl nur wenige Arbeitnehmer geworden.

Die Bundesagentur für Arbeit hat festgestellt, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von rund 736 000 im März 2014 auf 741 000 im März 2015 gestiegen ist. Auch hier spielte sich der Jobzuwachs vorwiegend in den Mindestlohnbranchen ab. „Das legt den Schluss nahe, dass Arbeitgeber die Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt haben“, erklärt ein BA-Sprecher. Die Nachfrage nach Arbeitskräften lasse auch nicht nach.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen-Anhalt sieht sich bestätigt: „In Branchen mit ursprünglich sehr hohem Minijobanteil sind besonders viele sozialversicherungspflichtige Stellen dazugekommen“, freut sich DGB-Landeschef Udo Gebhardt. Damit sei der Beweis erbracht, dass der Mindestlohn nicht Arbeitsplätze kostet, sondern mehr „gute Arbeit“ schafft. Die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände in Sachsen-Anhalt (AWSA) erkennen die Entwicklung an. „Die Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ist grundsätzlich zu begrüßen“, sagt AWSA-Geschäftsführer Matthias Menger. Er betont allerdings: „Die Entwicklung kann auch mit der deutschlandweit guten Konjunktur zusammenhängen, die für einen robusten Arbeitsmarkt sorgt.“

Minijobber werden älter

In den Statistiken der BA zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Immer häufiger sind es ältere Menschen, die sich Geld mit einem Minijob verdienen. 2005 waren knapp 12 000 älter als 65 Jahre, inzwischen sind es fast 17 000. Auch die Gruppe der 55- bis 65-Jährigen ist gewachsen, von 19 000 auf 27 000. Über die konkreten Gründe, weshalb ältere Arbeitnehmer Minijobs annehmen, kann die BA keine Angaben machen. Generell hänge die Entwicklung aber mit der Alterung der Bevölkerung zusammen.