Millionen aus Berlin

Bundesweit arbeiten Hochschulen an Angeboten für Flüchtlinge. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) kündigte am Freitag in Berlin für die nächsten Jahre 100 Millionen Euro als Unterstützung des Bundes an, davon 27 Millionen im kommenden Jahr. Zusätzliche Studienplätze soll es nicht geben, dafür aber Deutsch-Kurse und Qualifikationsprüfungen für Studierwillige, die keine Zeugnisse vorlegen können. (he)

Magdeburg l Oje, so viele Sorten Hochschule gibt es in Deutschland: Unis, Fachhochschulen, Kunsthochschulen, eine Fernuniversität. Vor elf angehenden Studenten, größtenteils aus Syrien, steht die Deutschlehrerin Sasha Habjouqa, die selbst aus Jordanien stammt, und erklärt die Unterschiede. „Und was ist eine Fern-Uni?“, fragt Abdulhadi Alhussin ratlos.

Der 23-Jährige hat in Syrien Maschinenbau studiert und muss dennoch völlig von vorn anfangen. 2012 bombardierte die syrische Armee seine Heimatstadt Deir ez-Zor, bis heute kämpfen das Regime und der Islamische Staat (IS) um die Stadt. Die Familie wollte, dass die Ausbildung weitergeht und schickte ihren Sohn nach Ägypten. „Nach einer Weile hat die Regierung aber alle Syrer abgeschoben. Mein Bruder wollte mich zu sich nach Deutschland holen. Für ein deutsches Visum hatte ich aber nicht genug Geld“, sagt Alhussin. Er vertraute sein Leben einem Schlepper an, der ihn auf einem kleinen Boot von Alexandria zur Südspitze Italiens brachte. Im Zug rollte er nach München, wurde nach Halberstadt weitergebracht und landete vor einem guten Jahr in Magdeburg.

Vorreiter bei der Integration

Flüchtlinge wie er, die bereits vor der großen Welle ins Land kamen, werden nun zu Vorreitern bei der Integration. Nach einem sechsmonatigen Deutschkurs spricht Alhussin die neue Sprache bereits flüssig. Zusammen mit zwei Dutzend anderen Syrern sowie einigen Iranern, Afghanen und einem Iraker steckt er in einem Vorbereitungsprogramm für ein Studium an der Hochschule Magdeburg-Stendal mit tausend Unterrichtseinheiten Deutsch.

Mit dabei sind die Schwestern Nour und Rim AlRefahi, 22 und 20 Jahre alt. Auch sie haben in Syrien studiert, Jura die Ältere und Chemie die Jüngere. „Aber in Damaskus gibt es jetzt kein Studium, keinen Job, keine Freiheit. Es ist sehr gefährlich, dort zu bleiben“, sagen die beiden.

Der Uni-Rektor heißt willkommen

Gefährlich war auch die Reise über den Libanon, Algerien, Tunesien nach Libyen und über das Meer nach Italien. Aber in Deutschland ist es friedlich, es gibt eine Zukunft. Mittlerweile lebt die gesamte neunköpfige Familie in Stendal. Die beiden Schwestern pendeln täglich mit dem Zug zu ihrem fünfstündigen Sprachkurs an der Hochschule.

Weil sie ihr Haar mit Kopftüchern verhüllen, fallen sie in einer Stadt wie Magdeburg auf. Neulich wurden die Schwestern nahe der Oper von einem Betrunkenen als „Scheiß-Ausländer“ beschimpft. Auch die Uni berichtet entsetzt von Pöbeleien gegen ihre ausländischen Studenten. Uni-Rektor Jens Strackeljan lässt jetzt Postkarten mit dem Satz „You are welcome here“ (Ihr seid hier willkommen) verteilen und hat für Flüchtlinge ein Kontakttelefon mit einem arabischsprachigen Mitarbeiter eingerichtet.

"Geschenkt wird nichts"

An der Hochschule Magdeburg-Stendal nennt Rektorin Anne Lequy die Flüchtlinge eine Bereicherung. Sie könnten wenig nachgefragte Studiengänge füllen und dem Land in vier Jahren als Fachkräfte zur Verfügung stehen. „Als Ingenieure werden Sie überall genommen“, lockt sie die Teilnehmer des Sprachkurses. Allerdings müssten sie etwas leisten: „Geschenkt wird nichts, für Sie gelten die gleichen Anforderungen wie für Deutsche.“

Mit einem Aspekt ist die Rektorin noch nicht zufrieden. Unter den 30 Kurs-Teilnehmern sind nur vier Frauen, bedauert Lequy: „Schön wäre, wenn die Kurse wir im nächsten Jahr halbe-halbe besetzt sind.“