Magdeburg l Der 54-jährige Peter Schulz hat die Nase von den Diebstählen auf seiner Baustelle gestrichen voll. „Fünfmal in nur drei Monaten haben die uns heimgesucht. Gestohlen wurden unter anderem zwei große Notstromaggregate und ein Radlader“, sagt der Polier der am Stadtrand von Magdeburg eingesetzten Harzer Firma. Den Namen möchte er nicht nennen, aus Angst, erneut Ziel der Diebe zu werden.

Die Täter, so sagt der Polier, gehen äußerst rabiat vor. „Mitte Oktober haben die Unbekannten sogar eine Walze irgendwie mit einem Nachschlüssel gestartet und mit einem Stahlseil eine Baggerschaufel von unserer Baucontainer weggezogen“, sagt er. Mit der schweren Radladerschaufel sollte eigentlich ein Einbruch in den Container verhindert werden. Gestohlen wurden wie so häufig mehrere hundert Liter Diesel.

Der Geschäftsführer des Verbandes der Bauindustrie Sachsen/Sachsen-Anhalt, Robert Momberg, bestätigt: „Die Unternehmer tun sehr viel, um ihr Eigentum zu sichern. Das verlangen schon die Versicherungen. Zum Beispiel werden größere Maschinen mit GPS ausgerüstet.“

Das würde aber auch bedeuten, dass der Druck auf die Baupreise zunehme. Da baue sich inzwischen Frust auf.

80 Prozent der Baufirmen schon bestohlen

Momberg fordert deshalb: „Es ist auch eine politische Aufgabe, mehr Streifen der Polizei einzusetzen.“ 80 Prozent der von seinem Verband befragten Unternehmen seien schon mindestens einmal bestohlen worden.

Hans J. Kohrmann aus Bitterfeld, der einen Baumaschinenverleih mit acht Niederlassungen betreibt, schließt schon keine Versicherungen mehr ab. „Die Prämien haben Dimensionen erreicht, dass ich damit mehr als alle gestohlenen Maschinen selbst bezahlen könnte.“ Allein in diesem Jahr wurden ihm zwei Radlader, ein Mini-Bagger und eine Rüttelplatte im Gesamtwert von 90  000 Euro gestohlen.

Die meisten seiner Maschinen, außer den gestohlenen, verfügen über eine Satelliten-Überwachung (GPS). „Ob sie Schutz bietet, weiß ich nicht. Es gibt inzwischen Störsender, die eine Ortung unterbinden, und es gibt Scanner, mit denen das GPS-Versteck ganz leicht gefunden werden kann“, sagt Kohrmann. Nur zehn Prozent der Diebstähle in seinem Unternehmen seien aufgeklärt worden.

Geräte zu Geld gemacht

Das deckt sich mit den Erfahrungen der Polizei. Marc Becher, Sprecher der Polizeidirektion Nord: „Die Aufklärungsqoute ist gering, weil es kaum Hinweise gibt.“ Meistens werden die Geräte zu Geld gemacht. So war es bei einer Serie im Harz, die in diesem Jahr aufgeklärt werden konnte.

Das Landeskriminalamt verfügt über keine gesicherten Zahlen zu gestohlenen Baufahrzeugen. Nach einer Recherche im internen Erfassungsystem der Polizei lag die Zahl Anfang November aber bei etwa 250. Im gesamten Vorjahr waren es 268.