Michael Kahlfuss

Geboren: 28. März 1963 in Magdeburg

Beruf: Kfz-Meister, arbeitet als Fahrlehrer mit eigener Fahrschule

Hobbys: Rallye, Motorrad, Mountainbike, Snowboard,

Motorsport: seit 1981, Rallyesport seit 1983

Größter Erfolg vor der Wende: DDR-Vizemeister 1990 mit Trabant

Internationale Laufbahn (letzten 15 Jahre): Teilnahme in Australien (2009); Jordanien (2008); Sardinien; Japan (beide 2007); Argentinien (2006); Neuseeland (2006); East African Safari Rallye (2002) ebenfalls mit Trabi „Fritzi“ (Rang 32).

Weltmeisterschaftsläufe (2000 bis 2005): Corona Rally Mexico (WM/Gesamtsieger seiner Klasse mit Mitsubishi Lancer EVO 6); Telstra Rallye Australia; Rallye Acropolis; Spanien Rallye Catalunya; Rallye Zypern; Rallye Neuseeland; Rallye Dubai.

Möser l Die Industrie- und Handelskammer gibt am 7. Januar in Magdeburg ihren Neujahrsempfang und hat dazu „Harry Potter“ eingeladen. „Harry Potter“ wird diesen Termin allerdings verpassen, er ist dann womöglich noch auf hoher See.

Auch wenn die motorsportbe- geisterten Afrikaner spätestens seit der 62. East African Safari Rallye durch Kenia und Tansania ganz fest an die Zauberkräfte des froschgrünen Trabis glauben und ihm deshalb den Namen des literarischen Magiers aus dem Zaubererinternat Hogwarts gaben, kann er doch nicht fliegen – und musste deshalb die Heimreise von Mombasa im Container und auf dem Schiff antreten. „Vier bis sechs Wochen“, sagt „Harry Potters“ Herr und Meister Michael Kahlfuss, „wird das dauern, ehe der Trabi im Hamburger Hafen ankommen wird.“

Kahlfuss selbst ist bereits zurück in Deutschland, Sachsen-Anhalt, Jerichower Land, Möser. Er, sein 46-jähriger Co-Pilot Ronald Bauer, seine Lebensgefährtin und ihre „Managerin“ Annett Lehmann, die vier Mechaniker aus dem Team „MIKA Motorsport“, zwei Herren vom Fernsehteam und zwei weitere Zuschauer, die allesamt zur Crew gehörten. Und Kahlfuss wird in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten oft die Geschichten seiner dritten Teilnahme nach 1994 und 2002 an dieser Rallye durch die afrikanischen Steppe erzählen. Und er wird sich oftmals fragen, welches Detail er letztlich vergessen hat. „Normalerweise müsste man die Geschichten alle aufschreiben, aber wenn man dafür mal Zeit hat, hat man auch schon die Hälfte vergessen“, erklärt er.

Mit "Harry Potter" durch Afrika

Möser (fb) l Heißer Sand und die Erinnerung daran, dass es die erwartet brutale Tour war: Pilot Michael Kahlfuß aus Möser hat neun Tage lang seinen froschgrünen Trabi "Harry Potter" bei der 62. East African Safari Rallye durch Wasserlöcher und über Schotterpisten gesteuert - und sogar das Ziel erreicht. Die Tour führte ihn durch Tansania und Kenia. Vom 19. bis 27. November und auf 158 Sonderprüfungen über insgesamt 4500 Kilometer hat der Pilot aus Leidenschaft Impressionen gesammelt, die eigentlich für ein ganzes Leben reichen.

  • Von und nach Mombasa ging es für Michael Kahlfuss mit seinem froschgrünen Trabi. Foto: privat

    Von und nach Mombasa ging es für Michael Kahlfuss mit seinem froschgrünen Trabi. Foto: ...

  • Der Trabi sprang und raste über Sand, Schotter und durch Wasser. Dabei trug er auch den einen oder anderen kleineren Schaden davon... Foto: privat

    Der Trabi sprang und raste über Sand, Schotter und durch Wasser. Dabei trug er auch den eine...

  • ... die Kupplung machte schnell Probleme. Ein Materialfehler, wie sich herausstellte. Michael Kahlfuss konnte ihn mit Hilfe seiner Crew selbst ausbessern. Foto: privat

    ... die Kupplung machte schnell Probleme. Ein Materialfehler, wie sich herausstellte. Michael Kah...

  • Die hintere Stoßstange war hingegen nicht mehr zu retten. Kahlfuss und seine Crew ließen sie in Afrikas Wüste zurück. Foto: privat

    Die hintere Stoßstange war hingegen nicht mehr zu retten. Kahlfuss und seine Crew ließe...

  • Auch ohne Stoßstange meisterte

    Auch ohne Stoßstange meisterte "Harry Potter" die Wertungsprüfungen. Foto: privat

  • Allerdings konnte der froschgrüne Trabi seine Gegner nicht wegzaubern. Insgesamt 26:57:11 Stunden hat Kahlfuss für alle Sonderprüfungen benötigt. Der Gesamtsieger Stig Blomqvist, 69-jähriges Rallye-Urgestein aus Schweden, war im Porsche 911 mehr als elf Stunden schneller unterwegs. Foto: privat

    Allerdings konnte der froschgrüne Trabi seine Gegner nicht wegzaubern. Insgesamt 26:57:11 St...

  • Den Ritt durch Tansania und Kenia überstanden 46 von 54 gestarteten Fahrzeugen. Kahlfuss kam als 37. ins Ziel in Mombasa an. Foto: privat

    Den Ritt durch Tansania und Kenia überstanden 46 von 54 gestarteten Fahrzeugen. Kahlfuss kam...

  • Als Belohnung bekam Kahlfuss von den Organisatoren unter anderem zwei Elefanten aus Holz. Sie stehen in seinem Möser Heim im Wohnzimmer. Foto: privat

    Als Belohnung bekam Kahlfuss von den Organisatoren unter anderem zwei Elefanten aus Holz. Sie ste...

An acht Renntagen vom 19. bis 27. November und auf 158 Sonderprüfungen über insgesamt 4500 Kilometer hat der Pilot aus Leidenschaft Impressionen gesammelt, die eigentlich für ein ganzes Leben reichen. Aber vor allem eines hat Kahlfuss geschafft: „Wir sind am letzten Tag um 15.30 Uhr in Mombasa ins Ziel gefahren.“ Und dort angekommen, wo sie am ersten Tag gestartet waren. Das hatten dem Trabi wirklich die wenigsten zugetraut. Aber „Harry Potter“, sagten die Einheimischen, „flog und flog und flog und ging nicht kaputt“. Vor allem die Räder gingen nicht kaputt: Kahlfuß musste die „Schuhe“, auf denen er schon vor zwölf Jahren durch Kenia gerauscht war, nicht einmal wechseln. „Die hatte ich in meinem Reifenlager dunkel und kalt gelagert“, sagt Kahlfuss staunend.

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Kampf gegen 40 Grad Hitze

Der 52-Jährige war allerdings auch auf alle Eventualitäten vorbereitet. Am dritten Tag musste die Kupplung gewechselt werden. „Ein Materialfehler.“ Am siebten Tag musste der komplette Motor gewechselt werden, nach dem sich Kahlfuss und Bauer zunächst mit der Kraft eines Zylinders über die Schotterpisten und durch Wasserlöcher, an Antilopen, Elefanten und Zebras vorbei geschleppt hatten. „Das volle Programm also“, erzählt Kahlfuss lächelnd. „So eine Strecke ist eben sehr grenzwertig für einen Trabi.“ Übrigens auch für dessen Insassen. 40 Grad Celsius im Schatten drückten aufs Gemüt. „Ich habe zehn bis zwölf Liter Wasser täglich geschluckt“, berichtet er über den Kampf gegen die Hitze.

Um die hintere Stoßstange seines Trabi 601 mit aufgepumpten 50 PS (von ursprünglich 26) und einer Höchstgeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde hat er nicht mehr gekämpft. „Die hat der Trabi am dritten Tag nach einem Sprung in ein Loch verloren.“ Alle Bemühungen an diesem Tag, „Harry Potter“ wieder zu vervollständigen, scheiterten. Denn der Schutz war bereits in guten Händen.

„Als wir uns am nächsten Morgen zur Prüfung aufgemacht haben“, erzählt Kahlfuss lachend, „habe ich sieben Afrikaner auf einen Pickup stehen sehen, sie hielten die Stoßstange in die Höhe und jubelten. Ich muss mal im Internet schauen, ob sie schon zum Verkauf angeboten wird.“ Weitere Schäden? „Nicht ein Kratzer.“

Sieger wurde ein Porsche 911

Kahlfuss und Bauer erreichten letztlich als 37. von 54 gestarteten Teams das Ziel. Insgesamt 26:57:11 Stunden haben sie für alle Sonderprüfungen benötigt. Der Gesamtsieger Stig Blomqvist, 69-jähriges Rallye-Urgestein aus Schweden, war im Porsche 911 mehr als elf Stunden schneller unterwegs.

46 Autos überlebten die Turbo-Safari. Ähnliche Exoten wie „Harry Potter“ überlebten sie nicht. Einige Fahrer zogen sich bei Unfällen Handbrüche zu. Die Rallye wurde ihrem Ruf gerecht, die härteste der Welt zu sein. Oder wie Kahlfuss immer wieder betont: „Sie ist brutal.“

Ein Ferrari ist auf der Strecke zerfallen, ein Peugeot erlebt nun seine Bestattung beim Schrotthandel. Und auch ein Mercedes 450 gab nach dem vierten Tag Geist auf und Seele ab. Und trotzdem haben alle eine „Ankommensmedaille“ erhalten, die wenigstens die Hälfte der Rallye durchgehalten haben. „Das fand ich fair. Und es ist natürlich auch eine Anerkennung. Immerhin betrug das Startgeld 43 000 Euro, da wollte niemand enttäuscht nach Hause fahren.“

Als Preis gab es zwei Elefanten

Neben der „Ankommensmedaille“ gewann Kahlfuss zudem das Klassement für Autos bis 1600 Kubikzentimeter, und natürlich wurden er, Bauer und „Harry Potter“ für „herausragende Leistungen“ ausgezeichnet. Statt einer Prämie hat er dafür zum Beispiel zwei aus Holz und Metall gefertigte Elefanten erhalten, jeder 23 Kilo schwer. „Ich müsste mal prüfen lassen, was die wert sind. Aber wir werden sie in unserem Wohnzimmer aufstellen“, sagt Kahlfuss, der alle seine Trophäen aus 32 Jahre Rallye-Sport im Haus in Möser verteilt hat.

Und Kahlfuss hat bereits die nächsten Einladungen zum Rallye-Abenteuer erhalten. Jene für die Fahrt durch Argentinien im nächsten Jahr flatterte schon vor seinem Aufbruch nach Afrika ins E-Mail-Postfach. Kurz nach seiner Rückkehr aus Mombasa rief ein Freund aus Neuseeland an. 2017 wird dort die 50. Auflage der Landesrallye gefeiert. Kahlfuß sagt: „Finanziell ist die Teilnahme nicht stemmbar.“ Abgesagt hat er allerdings auch noch nicht. Die Versuchung ist zu groß. Denn auch für den Herr und Meister von „Harry Potter“ gilt: Nur Fliegen ist schöner.