Magdeburg l Krankenhausreform, Überalterung und medizinischer Fortschritt treiben die Preise im deutschen Gesundheitssystem. Einige gesetzliche Krankenkassen erhöhen 2016 deshalb die Zusatzbeiträge für Arbeitnehmer und Rentner – vorneweg die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) mit deutschlandweit 4,9 Millionen Versicherten. Die DAK-Beitragszahler müssen laut „Handelsblatt“ mit 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten Aufschlag auf den aktuellen Beitrag von 0,9 Prozent rechnen. Das wären bei einem Brutto-Gehalt von 2000 Euro bis zu zwölf Euro pro Monat mehr.

In Sachsen-Anhalt hat die DAK 144 000 Versicherte. Ein Sprecher wollte der Volksstimme gegenüber die Medienberichte nicht kommentieren und verwies auf die Verwaltungsratssitzung am 18. Dezember, bei der über den Zusatzbeitrag entschieden wird.

Die beiden größten deutschen gesetzlichen Krankenversicherungen, Techniker Krankenkasse und Barmer GEK, werden den Zusatzbeitrag 2016 wohl um 0,2 Prozent erhöhen. Das würde für die TK- und Barmer GEK-Beitragszahler in Sachsen-Anhalt je nach Einkommen durchschnittliche Mehrkosten von 4 bis 6 Euro pro Monat bedeuten. Noch stünde aber die Entscheidung der Verwaltungsräte aus, teilten die beiden Ersatzkassen mit.

AOK und IKK gesund plus halten Beiträge

Mehr als eine Million Sachsen-Anhalter, die bei AOK und IKK gesund plus versichert sind, können sich freuen: Die beiden Kassen halten die Zusatzbeiträge im kommenden Jahr stabil bei 0,3 bzw. 0,6 Prozent. Man habe vorsichtig kalkuliert, teilte ein AOK-Sprecher mit. Mit einer guten wirtschaftlichen Lage begründet auch die IKK gesund plus, die ihren Sitz in Magdeburg hat, die Nullrunde. Das Bundesgesundheitsministerium hatte im November für 2016 einen durchschnittlichen Gesamtbeitrag von 15,7 Prozent und damit einen Anstieg von 0,2 Prozent vorhergesagt.

Experten rechnen damit, dass die Zusatzbeiträge angesichts wachsender Kosten im Gesundheitswesen weiter steigen – und alle künftigen Erhöhungen müssen Arbeitnehmer und Rentner alleine schultern, weil der Arbeitgeber-Anteil gedeckelt ist. Der Verband der Ersatzkassen (VDEK) in Sachsen-Anhalt schätzt, der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für gesetzlich Krankenversicherte steige bis 2020 jedes Jahr um mindestens 0,2 Prozentpunkte. Man plädiere deshalb dafür, die Beitragslast wieder gleichmäßig auf Arbeitgeber und Versicherte zu verteilen, so VDEK-Sprecher Volker Schmeichel.

Den Versicherten steht im Fall einer Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht zu. Die Kassen müssen sie schriftlich darüber informieren, teilte die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt mit – warnte jedoch vor überstürzten Kündigungen. Nicht allein die Höhe des Zusatzbeitrages, sondern auch Beratungsangebote, Erreichbarkeit und besondere Zusatzleistungen seien zu berücksichtigen. Ansonsten können Arbeitnehmer und Rentner bei Beachtung der 18-monatigen Bindungsfrist jederzeit die Kasse wechseln.