Sechsfach-Impfung

Die Sechsfach-Impfung immunisiert gegen sechs Krankheitserreger: Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und das Bakterium Haemophilus Influenzae Typ b (Hib).

Mit dem vollendeten zweiten Lebensmonat erhält der Säugling die erste Impfung, die zweite und die dritte jeweils nach vier Wochen. Abgeschlossen wird die Grund­immunisierung zu Beginn des zweiten Lebensjahres.

Der Impfschutz kann auch über andere Impfstoffkombinationen erfolgen. Nachteil für das Kind: Es bekommt mehr Spritzen.

Magdeburg l Peggy Bäumler aus Güsten (Salzlandkreis) wollte kürzlich mit ihrer kleinen Tochter Mina die dritte von vier Sechsfach-Impfungen abholen. Doch das Kind blieb ungeimpft. „Es gebe derzeit keinen Sechsfach-Impfstoff, wurde mir bei der Ärztin gesagt. Das geht doch nicht“, so die Mutter.

Kinderärzte können auch auf andere Kombinations- impfstoffe ausweichen. Aber die sind ebenfalls knapp, wie Dr. Hanna Oppermann, Impf-expertin im Landesamt für Verbraucherschutz, bestätigt: „Probleme gibt es auch bei Fünffach- und Vierfachimpfstoffen.“ Beim Sechsfach-Impfstoff gebe es zwei Präparate: „Hexyon war bereits im September nicht mehr lieferbar. Jetzt wird es auch bei Infanric hexa eng.“

Impfstoff wird in Abstimmung zwischen Krankenkassen und Herstellern nach Angebot und Nachfrage produziert. Bringen die ins Land strömenden Flüchtlinge das Impfkontingent durcheinander? Oppermann: „Die Anzahl der in Sachsen-Anhalt geimpften Flüchtlinge kann dafür nicht verantwortlich sein.“ Es gebe viele Gründe. Auch 2010 habe es – ohne Flüchtlinge – zu wenig Sechsfach-Impfstoff gegeben.

Diese Meinung teilt Dr. Jens Prantz, Vorstand beim Landesapothekerverband: „Das hat eher mit dem von den Krankenkassen tief angesetzten Preis bei der Ausschreibung zu tun.“ Verbandskollege Mathias Graf, Apotheker in Kalbe/Milde, ergänzt: „Im ersten Quartal 2016 soll sich die Lage wieder entspannen. Bis dahin können die Ärzte bei Auffrischimpfungen auf andere Präparate ausweichen. Nur eine Erstimpfung könnte aktuell nicht überall möglich sein.“ Es sei denn, Ärzte haben sich einen Vorrat an Sechsfach-Impfstoff zugelegt. Zum Beispiel Dr. Veronika Ahrens, Ärztin in Haldensleben: „Ich habe Impfstoff und auch noch nichts von Problemen mitbekommen.“

Prof. Gerhard Jorch, Chef der Unikinderklinik in Magdeburg, empfiehlt Eltern, die Erstimmunisierung keinesfalls zu verpassen: „Sie sollten in anderen Praxen nachfragen, wenn der eigene Kinderarzt keinen Impfstoff mehr hat.“

Gefährlich sei vor allem der Keuchhusten. Jorch: „Wenn sich der Säugling beim hustenden Opa ansteckt, kann das infizierte Kleinkind schnell an Atemnot sterben.“