Magdeburg l Die Sonne scheint und eine Urlaubsinsel lockt mit Hotels und kleinen Tavernen. Ein Traumarbeitsplatz, könnte man meinen. Doch für Axel Vösterling, normalerweise Sprecher im Technischen Polizeiamt Sachsen-Anhalt, sieht das anders aus. Seit dieser Woche unterstützt der Familienvater mit etwa 180 Polizisten aus Deutschland die griechische Küstenwache beim Bewältigen der Flüchtlingsströme.

Der 50-Jährige aus der Nähe von Magdeburg hilft bei der Registrierung der auf der Insel angelandeten Flüchtlinge. Diese kommen zum Teil mit überfüllten kleinen Booten von der Türkei, die sich in Sichtweite der drittgrößten Insel Griechenlands befindet.

Nicht der erste Auslandseinsatz

Griechenland hatte Frontex wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms im vergangenen Jahr um mehr Hilfe bei der Kontrolle seiner Grenzen gebeten. Allein in diesem Jahr waren nach Frontex-Angaben mehr als 700 000 Migranten in die EU eingereist, nur jeder Fünfte sei registriert worden. Allein in den letzten Wochen kamen in der griechischen Hafenstadt Piräus mehr als 10 000 Flüchtlinge an. Sie waren in den vergangenen Tagen von der Türkei auf die griechischen Inseln Samos, Chios und Lesbos übergesetzt.

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Der sogenannte Rabit-Einsatz, der im Januar begann, soll die Operation „Poseidon“ unterstützen. Diese geht im östlichen Mittelmeer gegen illegale Einwanderung und grenzüberschreitende Kriminialität vor. Der Begriff „Rabit“ steht für Soforteinsatzteams zu Grenzsicherungszwecken (Rapid Border Intervention Teams).

Für Vösterling ist es nicht der erste Auslandseinsatz als Polizist. Bereits von 2003 bis 2004 ging der Magdeburger Beamte als Leiter einer Ermittlungseinheit für Schwerstkriminaliät in den Süden des Kosovo. Jede Woche musste seine Einheit, bestehend aus internationalen und einheimischen Polizisten, Morde, Sprengstoffanschläge und andere schwere Verbrechen aufklären. „Ich kann mich noch erinnern, dass wir damals bei jeder Durchsuchung irgendwelche Handgranaten oder Kalaschnikows gefunden haben“, erinnert sich der Beamte.

Im Jahr 2004 zog es den Magdeburger Beamten, der ursprünglich aus Niedersachsen kommt und sein Handwerk auch in Baden-Württemberg erlernt hat, erneut zum Auslandseinsatz.

In Afghanistan unterstützte der damalige Verkehrspolizist den Aufbau einer Autobahnpolizei in dem krisengebeutelten Land. Die Autobahn ist in Afghanistan die wichtigste Verkehrsader. „Deshalb war dieser Einsatz auch besonders wichtig für den Aufbau des Landes“, sagt er.

Seit seinem Einsatz am Hindukusch setzt sich der Polizist in seiner Freizeit auch für afghanische Flüchtlinge ein, vor allem für ehemalige Dolmetscher, die deutsche Behörden unterstützten und später im Visier der Taliban standen. „Aus diesem Grund kann ich verstehen, wie es den Menschen geht. Niemand verlässt einfach so sein Land“, sagt Vösterling.

Sein Einsatz kommt für die Familie nicht unvermittelt. „Wir haben alles beredet“, sagt der Beamte. Und aus diesem Grund unterstützt ihn auch Ehefrau Bettina, wo es nur geht. Sie sagt: „ Ich unterstütze das schon, obwohl es natürlich für uns alles schwer sein wird.“ Schließlich ist seine Tochter Ava erst neun Wochen, seine beiden Jungs 12 und 13 Jahre alt. Mindestens vier Wochen bleibt Vösterling nun auf Lesbos. Dort, wo andere Deutsche normalerweise Urlaub machen. Vösterling: „Ich selbst war noch nicht da.“

Unterstützung auch von heimischer Dienststell

Unterstützung erhält Vösterling auch von seinem Vorgesetzten. Der Direktor des Technischen Polizeiamtes (TPA) Gerhard Dumstorff sagt: „Wir unterstützen den Auslandsein­satz, obwohl uns Herr Vösterling in den nächsten Wochen auch hier fehlen wird. Das Ganze bedeutet natürlich auch für seine Kollegen eine zusätzliche Belastung. Die Notwendigkeit besteht natürlich.“ Das könne Dumstorff auch für den Einsatz zu Hause sagen. Das Technische Polizeiamt sei vor allem mit dem Stellen der Infrastruktur sehr stark involviert.

Ob noch weitere Polizisten aus Sachsen-Anhalt zur Unterstützung von Frontex abgestellt werden, ist unklar. Innenministeriumssprecherin Nancy Eggeling: „Es gibt erstmal nur den einen Beamten.“