Magdeburg l Das Landesamt für Geologie und Bergwesen hat im Dezember einen neuen Hauptbetriebsplan (2016 bis 2019) des Salz- und Düngemittelherstellers K+S für den Standort Zielitz genehmigt. Dieser regelt, inwiefern der Konzern weiter Kalirohsalz im nördlichen Sachsen-Anhalt abbauen darf. Das Abbaufeld erstreckt sich bisher auf 24 Kilometern von Niegripp und Rogätz über Zielitz bis nördlich von Colbitz.

In den nächsten Jahrzehnten wird es dort zu Bergsenkungen kommen: Die durch den Abbau entstehenden Hohlräume werden zusammengedrückt – das überträgt sich Stück für Stück bis an die Tagesoberfläche. Die Absenkungen seien unvermeidlich, würden jedoch „langsam und großräumig“ verlaufen, sagt Frank Schnürer, Markscheider (Vermessungsingenieur) bei K+S.

In Normalbereichen sind Absenkungen um bis zu 75 Zentimeter in 60 Jahren zulässig. In Bereichen mit wenig Bebauung sind Senkungen bis zu 1,5 Meter in 60 Jahren erlaubt, für Abbaugebiete unter der Elbe sind es dagegen nur 50 Zentimeter. Laut einer von K+S durchgeführten Senkungsprognose könnten die Maximalwerte bis zum Jahr 2064 in einigen Bereichen des Abbaugebiets erreicht werden.

Folgen für den Hochwasserschutz

Die Bewegungen haben Folgen für den Hochwasserschutz: Während der Wasserstand der Flüsse gleich bleibt, sinken die Deiche.

Nach der Flut im Jahr 2013 werden die Deiche im Land derzeit saniert. Viele sollen vorbeugend an die zu erwartenden Absenkungen angepasst werden. Die Deichabschnitte im Burger Ortsteil Niegripp werden zum Beispiel 60 Zentimeter höher errichtet als ursprünglich vorgesehen. K+S beteiligt sich "verursachungsgerecht" an den Kosten für die Deichsanierungen. Der Konzern hat Rückstellungen in Millionenhöhe gebildet. „Die Leute werden hier die nächsten 100 Jahre so hochwassersicher leben wie noch nie.“

Die Absenkungen sorgen in Niegripp dennoch für Sorgenfalten. Man müsse die sich über einen langen Zeitraum vollziehenden Absenkungen nicht dramatisieren, sagt Ulf Möbius. Doch spürbare Auswirkungen, zum Beispiel Risse in Gebäuden, könne eben niemand ausschließen, sagt der Mann, der auch im Burger Stadtrat sitzt. Die Stadt hat dem neuen Hauptbetriebsplan von K+S in einer Stellungnahme zugestimmt. Der Konzern ist einer der größten Arbeitgeber in Sachsen-Anhalt und will im näheren Umfeld von Niegripp nur noch Restabbau betreiben.

Zwölf Orte bisher unterfahren

Die Abbautätigkeiten haben auch Auswirkungen für Häuslebauer. Für jedes Baugebiet im Einwirkungsbereich der Grubentätigkeit muss K+S eine bergbaurechtliche Stellungnahme für Gemeinden und Kreditinstitute abgeben. „Da führte bisher zu keinen Problemen“, sagt Schnürer.

Zwölf Ortschaften sind bisher unterfahren. Als das Unternehmen den neuen Betriebsplan beantragt hat, sind Mitarbeiter von Ort zu Ort getingelt, um den Menschen die Ängste zu nehmen. „Wir kommunizieren unsere Plänen aktiv nach außen. Wir wollen die Leute mitnehmen“, sagt Markscheider Frank Schnürer. Er hält einschneidende Veränderungen für abwegig. „Dass jemand sein Haus wegen Senkungen aufgeben muss oder es die direkten Nachfahren nicht mehr nutzen können, ist ausgeschlossen. Die Deiche werden vom Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft jetzt top saniert. Die Senkungsprognose wird in der Maßnahme eins zu eins berücksichtigt.“

Seit 1973 läuft der Dauerbetrieb in Zielitz. „Gegen das Kaliwerk wurden seit Produktionsbeginn keine juristischen Ansprüche auf Grund von Bergschäden geltend gemacht“, sagt der Markscheider. In den Abbauen werden Pfeiler belassen, die rund die Hälfte der gesamten Lagerstätte vereinnahmen.

Netz von 3500 Messpunkten

Sollten doch einmal Auswirkungen wie Risse an Haus und Hof entstehen, sind dabei nicht die Geschädigten in der Beweispflicht – der Bergbaubetrieb muss den Beweis antreten, dass er für den Schaden nicht verantwortlich ist. Auch deshalb nimmt K+S die regelmäßigen Kontrollen sehr ernst.

Auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern sind 3500 Messpunkte installiert. Das Netz wird in einem Zyklus von vier Jahren beobachtet. Die Bahnlinie Magdeburg-Stendal und die Hochwasserschutzanlagen an der Elbe werden sogar alle zwei Jahre kontrolliert.

In den nächsten Jahren will der Konzern die untertägigen Abbautätigkeiten nach Nordwesten ausweiten. In Elbnähe findet dann nur noch Restabbau statt.