Kusey l Es sieht aus wie ein Schildbürgerstreich. Doch was derzeit auf einem Sportplatz in Kusey geschieht, ist bitterer Ernst. In dem Ortsteil der Stadt Klötze im Altmarkkreis Salzwedel hat Landwirt Herwig Bierstedt einen Teil des seit Jahrzehnten genutzten Sportplatzes gekauft und einen Zaun quer über das Spielfeld gezogen. Damit teilt er den Sportplatz mit einem gut 35 Meter breiten Korridor in zwei Hälften. Die Aktion ist der vorläufige Schlusspunkt eines seit Jahren schwelenden Streits.

Angelegt worden ist der Sportplatz am Lateiner Weg Ende der 1960er Jahre von den Einwohnern. Der TSV Kusey, Schüler und die Kita nutzten ihn. Doch nach der deutschen Wiedervereinigung war plötzlich alles anders, Eigentum galt wieder etwas. Der Sportplatz gehört seit der Wende fünf verschiedenen Leuten. Die Stadt zahlt eine Pacht für nicht kommunale Flächen.

Nur Steine in Weg gelegt

Herwig Bierstedt betreibt angrenzend eine Landwirtschaft, die „aus allen Nähten platzt“, wie er sagt. „Ich brauche Platz für meine Pferde und Maschinen. Die Kommunen haben mir aber nur Steine in den Weg gelegt.“ Zum Beispiel sollte er den Weg an der Schule vorbei mit seinen Pferden nicht mehr nutzen. „Das geht gar nicht“, findet er und pocht auf das Gewohnheitsrecht.

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Auch andere Möglichkeiten, Grundstücke als Zufahrt oder Abstellfläche nutzen zu können, sind ihm nach eigenen Angaben versagt worden. Als dann 2013 ein Privatmann besagten Korridor auf dem Sportplatz verkaufen will, sieht Bierstedt seine Stunde gekommen und kauft.

Die Stadt Klötze ahnt das Desaster. Eiligst wird der Sportplatz als kommunale Sportfläche mit großem öffentlichen Nutzen im Flächennutzungsplan ausgewiesen, um das Vorkaufsrecht ausüben zu können. Denn das haben anfangs die eigenständige Gemeinde Kusey, später die zuständige Verwaltungsgemeinschaft Jeetze-Ohre-Drömling und die Stadt Klötze versäumt. Gespräche mit dem Verkäufer und Herwig Bierstedt verhärten die Fronten nur. Ein gemeinsamer Nenner kann nicht gefunden werden. Selbst vor dem Verwaltungsgericht scheitert die Stadt. Begründung: Normalerweise besitzt eine Kommune das Vorkaufsrecht, wenn die Nutzung der betreffenden Fläche von großem öffentlichen Interesse ist. Aber das ist bei dem Kuseyer Sportplatz zu spät angezeigt worden, und zwar erst, als der Verkauf von Teilen des Sportplatzes bereits abgeschlossen war. Das aber reicht für die Inanspruchnahme des Vorkaufsrechts nicht aus, urteilt das Gericht.

Kurz vor Ostern macht der 48-jährige Bierstedt dann Nägel mit Köpfen und zieht den 2,20 Meter hohen Zaun auf dem alten Sportplatz.

Irrsinn ist perfekt

Ein Unding für Klötzes Bürgermeister Matthias Mann. „Der Irrsinn ist perfekt“, sagt er. Mann will retten, was zu retten ist und das Training des TSV sowie den Schulsport ermöglichen. Dafür soll die Fläche links von dem Korridor, die der Stadt gehört, und die gepachteten Grundstücke rechts davon genutzt werden. Teile der Flutlichtanlage müssen umgesetzt werden. Gestern wollten Vertreter des TSV und der Stadt Lösungen finden.

Landwirt Bierstedt sieht das gelassen. „Ich suche keinen Streit“, betont er. „Die Kommunen haben 20 Jahre geschlafen. Und wenn ich blockiert werde, nehme ich mein Recht wahr.“

Auf seinem neuen Sportplatz-Grundstück will er jetzt Pferde weiden lassen. Der Volksstimme verrät er: „Der Kauf eines weiteren Grundstücks neben meinem ist in Arbeit, nicht um die Stadt zu ärgern, sondern um wirtschaftlich arbeiten zu können.“