Korrespondenzstandorte

DESSAU

Technikmuseum: „Hugo Junkers. Visionär, Erfinder, Unternehmer, Förderer der Moderne“, 14. Mai bis 31. Oktober.

HALLE

Burg Giebichenstein Kunsthochschule: „Neo Luna Park – Vergnügen suchen, Vergnügen gestalten“, 16. Juli bis 17. Juli.

Kunstverein Talstraße e. V. Halle: „Karl Völker, Rudolf Schlichter und weitere Mitglieder der Novembergruppe“, bis 24. Juli.

„Textilkunst an der Burg Giebichenstein in den 1920er Jahren“, 11. August bis 20. November.Kunstmuseum Moritzburg Halle: „Lyonel Feininger: Paris 1912. Die Rückkehr eines verschollenen Gemäldes“, 24. Oktober bis 29. Januar 2017.

MAGDEBURG

Forum Gestaltung: „maramm Magdeburg – Reklame- und Ausstellungsstadt der Moderne“, 1. Juni bis 11. Dezember.

Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen: „Joachim Brohm State of M.“ bis 12. Juni. „Xanti Schawinsky Retrospektive“, 21. Juni bis 25. September.

Kulturhistorisches Museum: „Bunte Stadt – Neues Bauen. Die Baukunst von Carl Krayl“, 28. Oktober bis 12. Februar 2017.

Technikmuseum Magdeburg: „Magdeburger Pilotenrakete, Himmelsstürmer, Visionäre, Erfinder“, ab 27. Mai.

MERSEBURG

Kulturhistorisches Museum Schloss Merseburg: „Menschen in Leuna – Fotokunst für das Werk“, bis 31. Oktober. „100 Jahre Leuna – Alltag, Krisen, Welterfolge“, 4. Juni bis 31. Oktober

LEUNA

Stadt Leuna, Friedrich-Ebert-Straße 26, „Gartenstadt 100“, bis 18. September.

ELBINGERODE:

Diakonissen-Mutterhaus: „Bleibendes Zeugnis einer gelebten Idee“, 1. Mai bis 31. Oktober.

QUEDLINBURG:

Lyonel-Feininger-Galerie: 80 Jahre Feininger in Quedlinburg und 30 Jahre Feininger-Galerie, 25. Juni bis 19. September.

Dessau l „Dereinst in ungehemmtem Schaffen werde Neu-Magdeburg zur schönsten Stadt der Erde.“ Welch ein hehrer Wunsch, der Anfang der 1920er Jahre ausgerechnet auf einem Notgeldschein prangte. Die Inflation in Deutschland explodierte. Trotzdem steckt in dem Spruch ein Aufbruchswunsch, ein Traum-Blick in die Zukunft. In Magdeburg war Bruno Taut damals gerade zum Stadtbaurat ernannt worden. Trotz der schwierigen Zeit hatte er visionäre Pläne. Für Torsten Blume, gemeinsam mit Janek Müller Kurator der Dessauer Ausstellung, war Taut ein Baufantast. Der Stadt Magdeburg bezeugt Müller Mut, diesen Visionär eingestellt zu haben.

Glaskastenspiel von Bruno Taut

Der Name Taut steht für Architektur-Moderne, für soziales Bewusstsein beim Bauen, für Mut zur (in der Bürgerschaft umstrittenen) Farbe. Verbunden ist Tauts Wirken in Magdeburg vor allem mit dem Siedlungsbau. In der Dessauer Ausstellung ist immer wieder Taut zu finden, sein Glaskastenspiel zum Beispiel, ein farbiges Baukastensystem zum Basteln einer Zukunftsstadt. In einer Karikatur mit Magdeburger Dom und Kunstgewerbe- schule prangt über diesen „Leuchttürmen“ der Stadtbaurat. „Taut steht für den Umbau und die Weiterentwicklung Magdeburgs und damit exemplarisch für den damaligen Neubeginn“, sagt Blume.

Dessau mit seinem Markenzeichen Bauhaus oder Magdeburg. Die Städte standen nicht nur für sich. Burg Giebichenstein in Halle, Bauschule Zerbst, Kunstgewerbeschule in Magdeburg. In Merseburg agierte ein rühriger Baurat. „An verschiedenen Orten der Region gab es eine Zusammenarbeit und eine Durchdringung der Fantasien“, sagt Janek Müller. Es sei Planern, Architekten, Künstlern, Ingenieuren, Erziehern, Pädagogen, Unternehmern und Politikern um die Gestaltung einer Industrieregion insgesamt gegangen, so der Kurator, der betont, dass es zu dieser Zeit auch erste Versuche einer Landesplanung gegeben habe – weg von den engen Grenzen einer Stadt. Müller: „Es wurden Fenster aufgemacht und neue Luft reingelassen.“ Er spricht von einem ganzen Kosmos der Angewandten Moderne.

Bauhaus-Ausstellung reist durch Moderne

Dessau (mh) l Die Bauhaus-Stiftung Dessau widmet sich mit der Ausstellung "Große Pläne" der Moderne. Konzentriert auf Sachsen-Anhalt zeigt die Ausstellung Ideen, Visionen und Projekte für eine moderne, bessere Gesellschaft, wie sie zwischen 1919 und 1933 gedacht waren. "Große Pläne" setzt dabei Schwerpunkte auf "Höhenflüge", "Systematisches Siedeln", "Lernen üben" und "Reklame-Mechane".

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    Ernst Wandersleb war ein begeisterter Ballonfahrer. Sein Ballon "Tschudi" wird hier 1909 von eine...

  • Auch Höhenflüge aus der Zeit zwischen 1919 und 1933 stehen im Mittelpunkt der Bauhaus-Ausstellung

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  • Fast amerikanische Werbeverhältnisse in die Höhe zeigt dieses Bild aus dem Jahr 1921 - im Zentrum die provisorische Messehalle, die sogenannte Reklameburg, auf dem Leipziger Markt zur Herbstmesse. Foto: Eduard Krömer/(c) Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

    Fast amerikanische Werbeverhältnisse in die Höhe zeigt dieses Bild aus dem Jahr 1921 - ...

  • Der Ingenieur und Raketenforscher Rudolf Nebel mit Wernher von Braun, 1932. Erfindungen und Neuerungen sind ein Schwerpunkt der Bauhaus-Ausstellung

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  • Die Siedlung

    Die Siedlung "Neue Heimat" in Magdeburg-Südost - hier von der Gartenseite in der Jenaer Stra...

  • Ein mechanisches Schaufenster um 1933. Foto: unbekannt/Stiftung Bauhaus Dessau

    Ein mechanisches Schaufenster um 1933. Foto: unbekannt/Stiftung Bauhaus Dessau

  • Vitrinen der Hochbauverwaltung auf dem Ausstellungsgelände. Foto: Stadtarchiv Magdeburg Fotos HBA 6587

    Vitrinen der Hochbauverwaltung auf dem Ausstellungsgelände. Foto: Stadtarchiv Magdeburg Foto...

  • Fast schon abstrakt erscheint die Bienenskulptur in der Ausstellung

    Fast schon abstrakt erscheint die Bienenskulptur in der Ausstellung "Der Zucker", Magdeburg 1925....

  • Faltungen aus einem Quadrat mit diagonalen Schnitt- bzw. Bruchkanten von Roswitha Hoppe aus dem Unterricht an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg, um 1930. Foto: Nachlass Willi Eidenbenz.

    Faltungen aus einem Quadrat mit diagonalen Schnitt- bzw. Bruchkanten von Roswitha Hoppe aus dem U...

Das Kaiserreich war weg, mit Gründung der Weimarer Republik wurde die Frage aktuell, wie man die Moderne gestalten will. Es herrschte Aufbruchstimmung im heutigen Sachsen-Anhalt.

Warum Mitteldeutschland?

Taut arbeitete für Berlin, dann für Magdeburg. Viele andere Visionäre fanden ebenso den Weg in die Region zwischen Dessau, Halle und Magdeburg. Warum Mitteldeutschland? Braunkohle, Kalibergbau, Chemieindustrie, Ingenieurkunst florierten, zu Weltkriegszeit die Rüstungsindustrie. Das Gebiet stand für große Industrie, für viele Arbeitsplätze, auch für Wohnungsnot. Wohnraum musste her, vor allem auch Lebensqualität.

Bauhaus-Chefin Claudia Perren spricht mit Blick auf damals von einem Experimentierfeld. Ohne Hesse als Bürgermeister, sagt sie, wäre das Bauhaus nicht in die Stadt gekommen. Es gab andere attraktive Anwärter. „Hier war aber vieles möglich, was in anderen Regionen nicht möglich war“, sagt sie. Zum Beispiel, dass Xanti Schawinsky, ein Künstler aus der Schweiz, der einst ans Bauhaus kam und neben Oscar Schlemmer eine wichtige Figur war, Leiter der Grafikabteilung im Hochbauamt in Magdeburg wurde.

Eingebettet in Industriematerialien

„Moderne Typen, Fantasten und Erfinder“, so der Titel der Dessauer Übersichtsschau zur Angewandten Moderne zwischen 1919 und 1933, sei keine Ausstellung im klassischen Sinn, sagen Blume und Müller. Die beiden Kuratoren sprechen von einem Präsentationslaboratorium, dem auch die Gestaltung entsprechen soll. Ein Stuttgarter Architekturstudio zeichnet dafür verantwortlich, borgt sich wiederverwertbare Materialien aus der Region wie dem Mansfelder Aluminiumwerk.Eingebettet in diese Industriematerialien, zusammengehalten mit Schraubzwingen und Spanngurten, gibt es Sichten auf Pläne, Entwurfszeichnungen, Konstruktionen. Modelle sind ausgestellt, Filme zu sehen, an Hörstationen kommen die Protagonisten zu Wort.

Das Stadtplanerische spielt eine große Rolle, doch der Blick richtet sich auch auf Visionen in der Luftfahrt, der Reformpädagogik, der Reklame, wie das Schaffen von Wilhelm Deffke, dem Grafikdesigner, der als Pionier des modernen Corporate Designs gilt und der einst Direktor der Magdeburger Kunstgewerbeschule war.

Korrespondenzorte

Intensiver beleuchtet wird das Schaffen Deffkes in einer Korrespondenzschau in jener einstigen Kunstgewerbeschule, dem heutigen Magdeburger Forum Gestaltung. Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zeigt eine Retrospektive zu Schawinsky, das Technikmuseum vertieft die Geschichte der Magdeburger Pilotenrakete. Sieben Städte beteiligen sich mit Ausstellungen am Projekt „Große Pläne!“.

Claudia Perren wünscht sich mit Blick auf das Bauhaus-Jubiläum 2019 eine Etablierung des Themas Moderne in Sachsen-Anhalt – und auch im Heute Mut und Risikofreunde zu Visionen.

Ausstellung am Bauhaus Dessau vom 4. Mai bis zum 6. Januar 2017, täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet.