Haldensleben l Im Fall der suspendierten Bürgermeisterin Regina Blenkle kehrt keine Ruhe ein. Wie jetzt bekannt wurde, soll die ehemalige Rathauschefin ihre Sekretärin per E-Mail angewiesen haben, für die Entfernung von Akten zu sorgen. Das dreiseitige Schreiben des Magdeburger Rechtsanwalts Christian Rasch wurde nicht öffentlich verteilt, wurde der Volksstimme aber von verschiedenen Seiten zugespielt. Rasch vertritt den Stadtrat im Rechtsstreit gegen die vorläufig suspendierte Bürgermeisterin Regina Blenkle.

Das Schreiben vom 7. März ist ursprünglich an das Verwaltungsgericht Magdeburg gerichtet, wo aktuell über einen Einspruch von Blenkle verhandelt wird. Der Anwalt fordert darin, die Suspendierung keinesfalls aufzuheben, weil sie die Ermittlungen sonst „in weit größerem Umfang wesentlich beeinträchtigen würde, als dies bislang auch nur ansatzweise vorstellbar gewesen ist“.

Aufforderung per Mail

Konkret wird eine E-Mail zitiert, die als Anhang dem Schreiben beigefügt ist. Sie wurde wenige Tage vor der Stadtratssitzung verschickt, auf der Blenkle suspendiert wurde. Die Bürgermeisterin wusste von der geplanten Suspendierung. In der Mail an ihre Sekretärin schreibt sie, mit ihr besprechen zu wollen, dass unter Beihilfe von zwei von ihr bestimmten Mitarbeitern Akten aus dem Büro ihrer Stellvertreterin, Sabine Wendler, entfernt werden sollen. Blenkle wird zitiert: „ALLE Unterlagen bei der Wendler rausholen und sichern in einem Raum.“

Tatsächlich wurden aus dem Rathaus Akten gestohlen, weshalb Anzeige erstattet wurde. Sie sind bis heute verschwunden. Am 7. Februar gab es im Rathaus einen Polizeieinsatz. Bei den Akten geht es nach Informationen der Volksstimme um die Stadtfinanzen, kommunale Einrichtungen sowie um den Südhafen. Nach Auskunft der zuständigen Staatsanwaltschaft Magdeburg dauern die polizeilichen Ermittlungen an.

Der Rechtsanwalt schreibt auch, dass das EDV-Benutzerverzeichnis von Regina Blenkle auf dem Rathaus-Server gelöscht worden sei – ebenfalls kurz bevor der Stadtrat die vorläufige Suspendierung beschloss. Auch ihr Computer sei bereinigt worden.

Blenkle nicht auskunftsbereit

Weder Rechtsanwalt Rasch noch der Anwalt von Regina Blenkle und auch nicht das Verwaltungsgericht Magdeburg wollten der Volksstimme Auskunft in der Sache geben. Gesprächsbereit zeigte sich auch nicht einer der beiden Mitarbeiter, der in der Mail mit der Aktenentfernung in Verbindung gebracht wird. Ihm wird von der Stadtverwaltung zudem zur Last gelegt, die Anzeige bei der Polizei wegen des Akten-Diebstahls nicht wie beauftragt sofort gestellt zu haben. Dies geschah erst durch die stellvertretende Bürgermeisterin einen Tag später.

Wurde der Aktendiebstahl mit Absicht nicht angezeigt? Dies glaubt man offenbar im Haldensleber Rathaus. Der Hauptausschuss der Stadt hat auf seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen, dem Mann die fristlose Kündigung auszusprechen. Er hatte Zutrittsgewalt zu allen Büros und Nebenräumen des Rathauses.