Magdeburg | Mir war durchaus schon als Kind bewusst: Ich wohne im Westen. Dass es auch einen Osten dazu gibt, rückte erst später in mein Bewusstsein. Und dass diese beiden Teile eines Landes, über viele Jahre durch eine Grenze getrennt waren, erfuhr ich eher beiläufig – zumindest ist so meine Erinnerung.

Und auch in meiner neuen Heimat – der ehemaligen Grenzstadt Helmstedt – ist die vergangene Teilung nur dann präsent, wenn man wirklich darauf achtet. Natürlich, es gibt ein Grenzmuseum, ein Schild an dem Ort der Teilung und ab und an verirren sich ein paar Touristen in das beschauliche Städtchen.

Ehemalige Grenze kaum erkennbar

Doch obwohl die ehemalige Grenze – zumindest für mich – kaum mehr zu erkennen ist, spürte ich ein großes Unverständnis darüber, dass ich mir für mein Studium ausgerechnet Leipzig aussuchte. Eine Stadt in der ehemaligen DDR? Das konnten sich viele meiner – insbesondere der älteren Generation angehörigen – Verwandten nicht im Ansatz vorstellen. Außerdem mangelte es an der Vorstellungskraft, wie es in diesen Städten im Osten der Bundesrepublik aussehen mag. „Trist und grau“, hieß es zum Beispiel von meiner Großmutter. Ich ließ mich dennoch nicht abschrecken, wagte den Umzug. Bereut habe ich es nie. Der Osten ist bunt, voll von tollen Projekten und beheimatet viele offene Menschen, konnte ich in den vergangenen Jahren feststellen.

Schade, dass die politische Situation wieder einige Vorurteile zu schüren scheint. Denn: Für mich sollte es keine Grenze geben – auch nicht in den Köpfen der Menschen.