Magdeburg l Christian Warmbold gehört zu den wenigen im Lande, die sich über das knochentrockene Wetter freuen. „Starker Regen wäre jetzt nicht gut“, sagt der Bauleiter. Dann würden die frischen Betonkanten instabil. Dann müsste der Betonierer und sein Trupp stoppen. Doch nach Regen sieht es nicht aus zwischen Colbitz und Tangerhütte, wo die neue Autoahn A 14 um weitere acht Kilometer wächst.

Warmbold überwacht den so genannten Fertiger. Ein Ungetüm, 13 Meter breit, 1000 Tonnen schwer. Von Montag bis Sonnabendfrüh, wird die Maschine rund um die Uhr gefüttert. Ihr Hunger ist groß. 58.000 Tonnen Beton will sie. Die reichen für die beiden, jeweils acht Kilometer langen Fahrbahnen. Das sind gut 3000 Lkw-Fuhren. 20 Laster karren unablässig das graue Gemisch heran. Da das so viel ist, wird für jede Autobahn-Baustelle ein Extra-Betonwerk aufgebaut. Das Werk für diesen Abschnitt steht im nahen Farsleben.

Das Ungetüm „frisst“ den Beton - und hinten kommt die fertige, 26 Zentimeter dicke Piste heraus. Vereinfacht gesagt. Trotz aller Technik: 15 bis 20 Männer haben am Fertiger zu tun, damit Beton und Fugen exakt dorthin kommen, wo sie hingehören.

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Klagen und Planfehler

Am Dienstag früh ist der Betonierer gestartet. Gestern lud die Landesstraßenbau-Behörde Journalisten an die Baustelle. Jeder Meter Autobahn ist von höchstem Interesse. Sachsen-Anhalts Autofahrer warten seit Jahren auf die Straße, auf der sie schnurstracks zur Ostsee kommen. Klagen und Planfehler haben den Bau um Jahre verzögert. Wenigstens klappt es jetzt mit den Bauabläufen ganz gut. Trockene Sommer und milde Winter helfen mit. „Wir liegen gut in der Zeit“, sagt Uwe Langkammer, Chef der Straßenbaubehörde.

Doch was heißt das schon? Betoniert ist schnell – das Davor und Danach sind zeitraubend. Spatenstich war im Sommer 2017. Dann kamen Versorger, Archäologen, Brückenbauer. Im Sommer 2018 begann der Fahrbahn-Unterbau. Jetzt folgt der Beton. In knapp drei Wochen ist er gegossen. Dann werden Fugen geschnitten, Brücken asphaltiert, Entwässerungsrohre verlegt, Leitplanken montiert, Schilder aufgestellt. Wann ist die Piste frei? „Ende 2020“, meint Langkammer. Herbst oder Winter? „Der Herbst ist nicht unrealistisch.“

Zwei Dinge sind bei großen Straßenbauten besonders heikel. Die Böschung. Und der Beton. Böschungen könne rutschen. Daher werden sie bepflanzt. Und bewässert, damit das Grün gut anwächst. „Aber wies sind nicht davor gefeit, dass bei Starkregen eine Böschung auch mal ins Rutschen gerät“, sagt Langkammer. Wie 2018 an der Umfahrungsstraße Gommern.

Sensibel ist auch der Betoin. Tausende Kilometer aus den 90er Jahren sind vom „Krebs“ zerfressen. Damit das nicht wieder passiert, kommt jetzt jede Mixtur aus Kies, Split und Zement erst ins Labor, ehe sie auf die Fahrbahn darf. Wenn alles stimmt, hält eine Betonpiste lange. „30 Jahre“, sagt Projektleiter Steffen Kauert.