Magdeburg l Der frühere AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende André Poggenburg hat das rechte Lager der AfD, den „Flügel“, verlassen. Gezwungenermaßen, meinen die einen. Poggenburg selbst sagte der Volksstimme am Freitag, er sei freiwillig gegangen. In einem Brief, über den zuerst der „Stern“ berichtet hatte, bedauert er, dass sich der „Flügel“ in letzter Zeit sehr verändert habe. Dies führe „in letzter Konsequenz“ dazu, „dass die Doppelspitze Höcke-Poggenburg des Flügels so leider nicht mehr fortbesteht“.

Zu Gründen seines Austritts wollte sich Poggenburg am Freitag nicht äußern. Er beteuerte aber im Volksstimme-Gespräch: „Ich stehe weiter in bestem Kontakt zu Björn Höcke. Es ist keine Feindschaft entstanden, das ist völliger Quatsch.“

Kritik an Poggenburg

AfD-intern wird erzählt, dass der „Flügel“ Poggenburg dessen Agieren beim letzten Landesparteitag ankreidet. Dort waren bei der Vorstandswahl mehrere prominente „Flügel“-Vertreter wie etwa der Landtagsabgeordnete Hans-Thomas Tillschneider, Chef der Patriotischen Plattform, durchgefallen. Der Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann verlor sein Amt als Landesschatzmeister.

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„Flügel“-Leute sind überzeugt, dass sich Poggenburg heimlich mit Leuten der als gemäßigter geltenden „Neuen Mitte“ verbündet und diesen geholfen hat, bei der Vorstandswahl ihre eigenen Kandidaten durchzubekommen. Tatsächlich sitzen jetzt zwei prominente Vertreter der „Neuen Mitte“ im Landesvorstand: Kay-Uwe Ziegler als einer der Stellvertreter und der Bördekreis-Vorsitzende Steffen Schroeder als Schriftführer.

Die Lage in der AfD ist zurzeit recht unübersichtlich. Alte Allianzen werden aufgegeben, neue Bündnisse geschmiedet. Mittendrin: André Poggenburg. Noch ist unklar, was genau er will. Nicht wenige glauben, dass es ihn perspektivisch wieder in die Parteispitze drängt. In seinem Brief schreibt Poggenburg, er bleibe zwar „Flügel“-Freund. Er appelliert aber an seine Parteifreunde, „unsere Kräfte auch abseits irgendwelcher Lager und Strömungen“ neu zu bündeln. So viel jedenfalls steht fest: Auch ohne wichtige Parteiämter zieht Poggenburg immer noch Strippen.

Einstimmiges Ausschlussverfahren

Der AfD-Landesvorstand hat indes am Donnerstagabend wegen parteischädigender Äußerungen ein Parteiausschlussverfahren gegen ein AfD-Mitglied aus der Börde beschlossen. Das Votum sei einstimmig erfolgt, bestätigte der AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt am Freitag der Volksstimme. Das AfD-Mitglied hatte in einer internen WhatsApp-Gruppe Adolf Hitler verherrlicht. Reichardt sagte: „Jedwede Sympathiekundgebung für Adolf Hitler ist indiskutabel. Der Mann war ein Diktator und Massenmörder.“

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel wertet den Antrag auf Parteiausschluss als „rein taktisches Manöver“. Er erklärte: „Die AfD ist eine extrem rechte Partei mit völkischer Ideologie und Programmatik, mit verfassungsfeindlichen Mitgliedern. Sie gehört politisch und rechtlich bekämpft.“