Magdeburg l Nach dem Parteitag ist vor dem Parteitag: Nach den turbulenten Szenen in Badeborn (Landkreis Harz) am Wochenende steht den Mitgliedern der AfD unmittelbar die nächste Tagung bevor. Der Grund: Der Partei ist es am Sonntagabend nicht gelungen, die Landesliste für die Bundestagswahl fertigzustellen. Gegen 22 Uhr wurde die Aufstellung abgebrochen. Bis dahin hatten die Mitglieder lediglich über die Besetzung der ersten fünf Plätze abgestimmt – aufstellen will die Partei jedoch 15 Personen. Deswegen soll zeitnah ein weiterer Parteitag stattfinden, um die Liste für die Wahl zu komplettieren. Am Dienstagabend berät der Landesvorstand über einen neuen Termin.

Zum Spitzenkandidat wurde am Sonntag der 47-jährige Martin Reichardt (Landkreis Börde) gekürt. Auf den Plätzen zwei und drei konnten sich Frank Pasemann (Magdeburg) und Matthias Büttner (Stendal) gegen jeweils drei Gegenkandidaten durchsetzen. Platz vier sicherte sich der Landtagsabgeordnete Andreas Mrosek (Dessau-Roßlau). Uwe Gewiese (Burgenlandkreis) gewann in der Stichwahl um Platz fünf knapp gegen Kay-Uwe Ziegler (Anhalt-Bitterfeld).

Mitglieder folgen Vorstand

Damit folgten die Mitglieder komplett den Empfehlungen des Landesvorstands für die ersten fünf Plätze. Das ist insofern erstaunlich, weil es während des Parteitags am Sonnabend und Sonntag mehrfach zu chaotischen Szenen mit Gebrüll, Pfui-Rufen und Pöbel­attacken kam. Chatprotokolle, in denen Mitglieder des Landesvorstands scharf kritisiert worden waren, hatten für eine emotionale Debatte gesorgt. AfD-Landeschef André Poggenburg hatte von umstürzlerischen Bestrebungen gesprochen und erklärt: „Das geht nicht so weiter.“

Der Wittenberger Kreischef Dirk Hoffmann blieb am Montag dennoch bei seiner Kritik am Vorstand. „Viele Mitglieder fühlen sich abgehängt. Die Gründe dafür sind tiefgreifend. Ich bin mit den Ergebnissen des Parteitags nicht zufrieden“, sagte er der Volksstimme. Die Mitglieder hatten beschlossen, die Chatprotokolle (370 Seiten) den Kreisverbänden zur Verfügung zu stellen und den Vorstand aufgefordert, die „notwendigen Schlussfolgerungen“ aus der „Verschwörung“ zu ziehen. Was nun konkret passiert, ist offen. Poggenburg war am Montag nicht erreichbar.

Der Landtagsabgeordnete und Anhalt-Bitterfelder Kreischef Daniel Roi, der als Gegner Poggenburgs gilt, hält das Vorgehen für falsch. „Es ist nicht zielführend, irgendwelche Chats auszuwerten. Wir müssen uns mit Inhalten beschäftigen“, sagte er. Am Dienstag werden die Chatprotokolle in der Fraktionssitzung und im Landesvorstand erneut Thema sein. Vize-Landeschef Andreas Mrosek kündigte an: „Darüber wird zu reden sein.“