Magdeburg l Klappe, die nächste. Am Sonnabend wiederholt die AfD in Gommern (Jerichower Land) die Wahl eines Bundestags-Direktkandidaten. Nach dem Willen des Landesvorstands soll der im vorigen Dezember bereits bestätigte Wolfgang Rehfeld (Börde – Jerichower Land) als Direktkandidat abgelöst werden. Parteichef André Poggenburg sagte am Freitag der Volksstimme: „Es würde mich freuen, wenn wir einen anderen Kandidaten haben.“

Der Landesvorstand wirft Rehfeld subversives Agieren in einer Chatgruppe vor. Das bestreitet Rehfeld. Er wirft der Parteispitze vor, ihn mundtot machen zu wollen. Er bekräftigte, er werde noch einmal zur Wahl antreten. Der Landesvorstand schickt mit Martin Reichardt, dem AfD-Spitzenmann für die Bundestagswahl, einen Gegenkandidaten ins Rennen. Poggenburg wird nach Gommern zu kommen. Er glaube, dass es für eine Wahl Reichardts reiche, sagte er. Bei der Wahlveranstaltung könne „es heftiger werden“, sagte Poggenburg. In den vergangenen Wochen habe viel Negatives in der Presse gestanden, sagte er. Darum: Bei der Wahl „ist die Presse nicht erwünscht“.

Friese wurde abgesägt

Bereits vorigen Sonntag war mit Armin Friese der Harzer Bundestags-Direktkandidat abgesägt worden. Auch ihm wirft der Landesvorstand vor, in der Chatgruppe umstürzlerisch aktiv gewesen zu sein. Friese, bereits zwei Mal als Direktkandidat bestätigt, weist das zurück. Am Sonntag trat Friese nicht mehr an, „da ich schlicht keine Legitimation für diese fehlerhafte Wahl geben wollte“. Ihm sei bis heute kein Beschluss durch den Landesvorstand zugestellt worden, „in dem meine Wahl zum Direktkandidaten annulliert wurde. Demnach muss ich davon ausgehen, dass so ein Beschluss nicht existiert und diese Wahl schon formell unzulässig ist.“ Friese will das Bundesschiedsgericht der AfD einschalten. Die Veranstaltung wurde von Friese-Anhängern, darunter die Harzer Kreischefin Yvonne Sturm, boykottiert. Die Volksstimme erhielt für die Veranstaltung im Hotel „Harzresidenz“ in Friedrichsbrunn ein Hausverbot.

Neuer Harzer AfD-Direktkandidat ist das ehemalige SED-Mitglied Ronald Bischoff (69). Er ist gelernter Elektromonteur, zwölf Jahre war er Berufsoffizier, danach als Verwaltungsjurist tätig, später als Berater für wirtschaftlich gefährdete Unternehmen. Bischoff setzte sich mit 20 zu drei Stimmen gegen René Pitz durch.

Das nach dem Rücktritt seines Chefs seit Wochen handlungsunfähige Landesschiedsgericht könne indes „in den nächsten Tagen“ wieder arbeiten, sagte Poggenburg. Als neuer Vorsitzender werde der Halberstädter Anwalt Christian Hecht vorgeschlagen. Hecht gilt als Poggenburg-Vertrauter.