Studie untersucht Jobwechsel in Deutschland und Sachsen-Anhalt

Alle zwei Jahre auf einem neuen Arbeitsplatz

Ein durchschnittliches Beschäftigungsverhältnis besteht in Sachsen-Anhalt 2,3 Jahre. Ein Arbeitsplatz existiert im Schnitt 8,2 Jahre. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Arbeitsmarktstudie.

Halle (ko) l Wie stabil sind Beschäftigungsverhältnisse in Sachsen-Anhalt? Oder: Wie lange existiert ein Arbeitsplatz? Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB-Regional) in Halle beantworten diese Fragen in einer Studie zur Arbeitsmarktdynamik, die gestern vorgestellt wurde.

Sie analysierten den Stellen-umschlag und die Personalfluktuation in den Jahren 2001 bis 2009 und errechneten: In Sachsen-Anhalt wechselt ein Beschäftigter im Schnitt alle 2,3 Jahre seinen Job (der ostdeutsche Durchschnitt liegt bei 2,2 Jahren). Ein Arbeitsplatz existiert hierzulande - im Wechsel von Gründungen und Insolvenzen, Wachstum und Stellenabbau - durchschnittlich 8,2 Jahre.

"Der Mittelstand hat sich in Sachsen-Anhalt zu einem echten Stabilitätsanker entwickelt."

Kay Senius, BA-Regionaldirektion in Halle

Im Osten Deutschlands liege Sachsen-Anhalt auf einer Höhe mit Sachsen. Nur die Thüringer seien beständiger. "Dort hat ein Beschäftigungsverhältnis 2,4 Jahre Bestand", erklärte IAB-Wissenschaftlerin Michaela Fuchs. In Berlin wechselten Arbeitnehmer laut Studie alle 1,9 Jahre ihren Job, in Brandenburg alle 2,1 Jahre, in Baden-Württemberg alle 2,7 Jahre und im deutschen Durchschnitt alle 2,5 Jahre. Die Lebensdauer eines Arbeitsplatzes ist in Sachsen-Anhalt kürzer als in Thüringen und Sachsen (8,8 Jahre) oder Mecklenburg-Vorpommern (8,3). Der Bundesschnitt liegt bei 9,8 Jahren.

Die IAB-Forscher fanden heraus: Je älter das Unternehmen, desto stabiler die Beschäftigungsverhältnisse. Außerdem halten Beschäftigungsverhältnisse in mittelständischen Betrieben länger als in Klein- oder in Großbetrieben. In Sachsen-Anhalt sind nur 16,7 Prozent der Arbeitnehmer in Unternehmen tätig, die jünger als fünf Jahre sind.

Ein Befund, der sich negativ auf die Stabilität von Beschäftigungsverhältnissen in Sachsen-Anhalt auswirkt: Das verarbeitenden Gewerbe, das sich in Sachsen oder Thüringen als tragende Säule der Wirtschaft etabliert hat, ist eher schwach ausgeprägt. Dafür haben das Baugewerbe und die Landwirtschaft, die von höherer Dynamik und häufigeren Jobwechseln geprägt sind, größeren Einfluss.

Nach Landkreisen variiert die Lebensdauer eines Arbeitsplatzes innerhalb Sachsen-Anhalts um ein Jahr. Während im Altmarkkreis-Salzwedel oder im Harzkreis im Schnitt nur etwa alle 8,6 Jahre ein Arbeitsplatz wegfällt, endet die Lebensdauer einer Stelle im Landkreis Mansfeld-Südharz bereits nach 7,6 Jahren.

Die Dauer eines Beschäftigungsverhältnisses ist im Landkreis Börde mit 2,5 Jahren verhältnismäßig lang. Im Gegensatz dazu wechselt in Magdeburg oder Mansfeld-Südharz im Schnitt jeder Beschäftigte alle 2,1 Jahre seinen Job. "Der Mittelstand hat sich in Sachsen-Anhalt zum Stabilitätsanker entwickelt", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius.