Magdeburg l Die Frage nach einer ersten Bewertung des ab 1.  Oktober geltenden neuen „Pflege-TÜV“ bringt Ina Schulze, Leiterin des Fachbereichs Qualitätsprüfung beim MDK Sachsen-Anhalt, gleich in Fahrt: „Ich finde den Begriff Pflege-TÜV völlig daneben, der trifft es einfach nicht.“ Sie hofft, dass sich die Bezeichnung „Qualitäts- und Prüfsystem“ durchsetzt. „Denn das ist es, was der MDK tatsächlich macht: Wir sind kein technischer Überwachungsverein, sondern wir überprüfen im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen die Qualität der Pflege in den Einrichtungen.“

Und das – ab 1. November - nach einem neuen Prüfsystem. Dieses hält Schulze „grundsätzlich für ein gutes Instrument, den Pflegeprozess und dessen Qualität nachvollziehbarer und transparenter darzustellen. Die Situation der versorgten Person stehe dabei im Fokus. „Jetzt kommt es darauf an, was man daraus macht.“

In der Praxis bedeutet die Reform des bisherigen, auf Noten basierende „Pflege-TÜV“, zunächst einmal einen großen Aufwand für die Altenheime. Ab sofort müssen sie halbjährlich für jeden Bewohner individuell Qualitätsdaten erheben. So zum Beispiel, wie mobil und selbstständig dieser ist, ob er an Druckgeschwüren oder an den Folgen eines Sturzes leidet.

Seit 1. Oktober sind die stationären Einrichtungen auch in Sachsen-Anhalt dabei, die Daten durch speziell geschulte Heimmitarbeiter zu erheben. Wie umfassend und kompliziert das Ganze ist, zeigt das 64 Seiten umfassende Schulungsmaterial zur Erfassung der 15 Indikatoren und 98 Angaben pro Bewohner, welches das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung gestellt hat.

Beratung gewinnt an Bedeutung

Die anonymisierten Daten leiten die Heime an eine unabhängige Stelle weiter, die diese auswerten. Anschließend werden die Qualitätsindikatoren mit den bundesweiten Ergebnissen aller Einrichtungen verglichen. Damit entsteht für den Verbraucher eine neue Informationsgrundlage über die Stärken und Schwächen der Versorgung in jedem einzelnen der 13.000 Pflegeheime in Deutschland.

Zu den internen Prüfungen kommen die externen durch den MDK. Die Besuche werden einen Tag vorher angekündigt. Pro Einrichtung werden nach dem Zufallsprinzip neun Bewohner befragt und in Augenschein genommen, erläutert Ina Schulze das Prozedere. Außerdem kommen in persönlichen Gesprächen nicht nur das Pflegepersonal zu Wort, sondern – unter vier Augen – auch die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige. Darüber hinaus prüft der MDK bei sechs Personen die Plausibilität der Indikatorendaten, die das Heim an die Datenauswertungsstelle übermittelt hat.

Die neue Prüfung ist laut Schulze weitaus umfassender als bislang. „Wir speisen unsere Erhebungen künftig aus vielen Quellen, das ermöglicht uns ein umfassendes Gesamtbild.“ Statt Akten und Dokumentationen stünde der Mensch mehr im Mittelpunkt. Zwar hätten die MDK-Prüfer „schon immer unter die Bettdecke geschaut“, aber der Unterschied zu früher ist, dass jetzt die vorgefundene Situation oder mögliche Mängel detailliert dargestellt werden können und sich in der Bewertung widerspiegeln. „Das gab der bisherige Ja-Nein-Fragenkatalog leider nicht her. Am Ende verschwammen alle Ergebnisse in einer Gesamtnote, die kaum etwas über die Qualität des Hauses und die Vergleichbarkeit von Einrichtungen aussagte“, erklärt Schulze rückblickend.

Aus Sicht von MDK-Chef Jens Hennicke gewinnt durch den neuen Prüfansatz die fachliche Beratung des MDK an Bedeutung: „Wir sehen uns nicht als Richter, sondern als Partner im Pflegeprozess. Im Interesse der Heimbewohner setzen wir auf den Dialog mit dem Pflegepersonal – direkt am Bett oder im abschließenden Fachgespräch.“

Geholfen werden muss angesichts von zig Indikatoren, Aspekten und Bewertungen offensichtlich auch den Verbrauchern, glaubt Schulze: „Das Ganze ist doch recht umfangreich, schwer zu erfassen und man muss sich intensiv damit beschäftigen.“ Auch Hennicke sieht den Bedarf, die Ergebnisse des neuen Qualitäts- und Prüfsystems als solche verbraucherfreundlicher darzustellen. „Aber das ist nicht unsere Aufgabe, sondern die des Gesetzgebers.“