Halle/Magdeburg (dpa) l Lebenswende statt Jugendweihe: Hunderte Jugendliche haben sich in diesem Jahr zu einer Lebenswendefeier im Land angemeldet. Die Feste seien eine Alternative zu Konfirmation, Jugendweihe und anderen feierlichen Initiationen, die den Übergang vom Jugend- ins Erwachsenenalter kennzeichnen würden, sagte der Sprecher der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedemann Kahl, in Magdeburg.

In Halle wollen rund 800 Heranwachsende an einer Lebenswendefeier teilnehmen. In Haldensleben (Börde) sowie in Barby (Salzlandkreis) sind es den Angaben zufolge bislang jeweils 45 Teilnehmer, in Magdeburg und Merseburg je knapp 25 Interessierte. Auch in anderen Städten wie etwa Dessau-Roßlau soll es Feste geben.

Weg zur Selbstständigkeit

"Die Feiern richten sich vor allem an nicht getaufte Jugendliche", erklärte Kahl weiter. Die besonderen Feste würden aber allen Jungen und Mädchen ab der achten Klasse offen stehen – ob nicht religiös oder religiös. Ziel sei, die Jugendlichen auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit zu bestärken. "Oft geht den Lebenswendefeiern auch eine gemeinsame Zeit voraus, in denen Fragen der Verantwortung, des Respekts und die Einübung von Toleranz wichtig sind."

Die Idee für das kirchliche Angebot für junge Leute, die keiner Kirche angehören aber eine Alternative zur nicht-religiösen Jugendweihe suchen entstand in Erfurt. Im Jahr 2000 habe die Katholische Kirche in Halle den Gedanken übernommen, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis, Hans-Jürgen Kant. Zunächst meldeten sich nur einige wenige Jugendliche des katholischen Elisabeth-Gymnasiums an. Im Laufe der Zeit interessierten sich immer mehr Jugendliche aus allen möglichen Schulen der Stadt für die Feier.

Übergang von der Kindheit

"Das Angebot hat keine missionarische Intention", betonte Kant. Vielmehr gehe es meist den Eltern darum, den Übergang von der Kindheit in das junge Erwachsenenalter mit ihren Schützlingen zu feiern – fernab von Konfirmation und Co. Die ersten Feiern in Halle sollen im April starten. In anderen Orten beginnen sie im Mai.

Heute würden die Feste in Kirchen im ganzen Land veranstaltet, sagte Kahl. Das Besondere sei, dass die Jugendlichen die Feiern stark selbst gestalteten. Dennoch sind die Lebenswende-Angebote noch keine Konkurrenz zur Jugendweihe.

Die Zahlen sind stabil

"Aktuell haben sich etwas mehr als 6000 Mädchen und Jungen zur Jugendweihe 2018 angemeldet", sagte Anke Hoffmeister vom Landesverband Sachsen-Anhalt der Interessenvereinigung Jugendweihe in Magdeburg. Die Zahlen seien seit Jahren etwa stabil. Auf rund 130 Feiern wollen die Heranwachsenden in diesem Jahr den Schritt in die Erwachsenenwelt begehen. Sie würden bei den Festen vor allem Geld oder Reisen von Verwandten geschenkt bekommen, so Hoffmeister. Vor den Festen gebe es gemeinsame Aktivitäten wie Kochabende, Ausflüge zur Berliner Mauer, in den Landtag oder ins Theater.