Halle (dpa) l Das Thema Grundrente in Deutschland darf nach Ansicht der Diakonie nicht im Sande verlaufen. Grundsätzlich sei der Vorstoß des Arbeitsministers Hubertus Heil (SPD) richtig. "Ich hoffe aber, dass es jetzt eine breitere gesellschaftliche Diskussion um die Frage von Armut im Alter in unserer Gesellschaft gibt und nicht nur eine parteipolitische Diskussion, die in sehr kurzer Zeit schon wieder verschwindet", sagte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Christoph Stolte, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es sei wichtig, das gesamte Thema Entlohnung anzugehen, denn es gebe viele Bereiche, wo Menschen wenig verdienen.

Wer mit dem Mindestlohn auskommen müsse, dem drohe im Alter, vom Existenzminimum leben zu müssen, sagte Stolte. "Das ist unser Grundsatzproblem, das wir haben. Wir haben zu geringe Löhne, die eine ordentliche Rente sicherstellen", sagte Stolte. Im Bereich der Pflege gebe es eine viel zu geringe Tarifbindung. "Das heißt, wir haben insbesondere außerhalb der Wohlfahrtsverbände Menschen in der Pflege, die sehr wenig Geld verdienen und deswegen auch so geringe Renten bekommen. Da haben wir ein grundsätzliches Strukturproblem". Die Diakonie Mitteldeutschland ist den Angaben zufolge der größte Wohlfahrtsverband in Ostdeutschland mit rund 30.000 Mitarbeitern in 1700 Einrichtungen.

Bei den angedachten 35 Arbeitsjahren für einen Anspruch auf eine Grundrente mahnte Stolte, auch die Menschen im Blick zu haben, die vor allem in den 1990er Jahren in Ostdeutschland aufgrund der Umbrüche unverschuldet öfter aus dem Arbeitsleben ausgeschieden seien. "Sie waren in Maßnahmen, dann waren sie wieder arbeitslos. Diese Menschen kriegen die 35 Arbeitsjahre jetzt gar nicht zusammen", sagte er. Zudem dürfen laut Stolte keine neuen bürokratischen Hürden aufgebaut werden.

"Denn wir haben bereits jetzt das Problem, dass viele Menschen im Alter gar nicht die Gelder bekommen, die sie bekommen könnten, weil sie aus Scham auch gar nicht die nötigen Anträge stellen", sagte er. Sie hätten Angst davor, was sie womöglich alles offenlegen müssen. Und müssten dann mit sehr wenig Geld auskommen, auch weit unterhalb der Grundsicherung. "Wir brauchen ein deutlich anderes, einfacheres System, damit wirklich auch alle einfach an das Geld kommen, das sie brauchen. Das ist kein Makel", sagte Stolte.

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