Magdeburg/Halle (dt) l Nach dem versuchten Anschlag auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 ist nach Medienberichten ein neues Video dazu aufgetaucht. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Freitag berichtet, liegt dem WDR, dem NDR und der SZ ein Video des Bundeskriminalamtes vor, das Aufnahmen der Videokamera vor dem Gebäude nach dem Zeitpunkt des versuchten Anschlags zeigt.

Bislang gab es nur die Aufnahmen des Täters selbst, die via Helmkamera live ins Internet übertagen wurden. Die bewegten Bilder der Überwachungskamera direkt vor der Eingangstür der Synagoge zeigen nicht nur einen anderen Blickwinkel. Zu sehen ist auch, was geschah, nachdem der Täter das erste Opfer Jana L. erschossen hat und davongefahren war.

Laut SZ wirft das Video Fragen zur Polizeiarbeit auf. Zudem hätten Menschen auf dem Gehweg am Tatort "beinahe teilnahmslos" auf die getötete Frau in der Blutlache vor der Synagoge reagiert. Nachdem der Täter bis um 12.07 Uhr vor dem Gotteshaus wütete und dann mit dem Auto flüchtet, scheine sich niemand für die Frau interessiert zu haben. Ein Brieffträger auf der anderen Straßenseite haben ungerührt seine Post verteilt. Ein Mann habe sich dann bei Jana L. niedergekniet, mehrere Personen dann drumherum gestanden. Aber Erste Hilfe habe laut SZ niemand geleistet, auch die 12.11 Uhr eingetroffene Polizisten nicht.

"Auch um ihren eigenen Schutz bemüht sich die Beamtin erstaunlich wenig, sie hält keine Waffe in der Hand, sie trägt keine Schutzweste, keinen Helm", schreibt die SZ. Zu sehen sei auch, wie der Täter 10 Minuten nach seiner Flucht nochmal zum Tatort zurückkehrte. Der Videoausschnitt endet 12.22 Uhr, 19 Minuten, nachdem Jana L. vor der Synagoge erschossen wurde. Bis dahin sei nirgends ein Notarzt zu sehen, der kompetent wäre zu beurteilen, ob ihr wirklich nicht mehr zu helfen war, heißt es im SZ-Artikel.

Der Landtag hat dazu einen Untersuchungsausschuss angesetzt. Der Prozess gegen den angeklagten Stephan B. wird wohl am Magdeburger Landgericht stattfinden.