Magdeburg l Justin Skiebe weiß schon länger, wohin die Reise beruflich für ihn gehen soll. Der 18-Jährige beginnt heute eine Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker im Autohaus Eilsleben im Bördekreis. „Mein Vater ist KfZ-Meister mit eigener Werkstatt, auch mein Bruder lernt hier“, erzählt der Jugendliche aus dem Nachbarort Völpke.

Mit dem jungen Mann wird die Zahl der Azubis im 30-Mitarbeiter-Betrieb auf fünf steigen. Lehrlingszahlen wie diese sind längst keine Selbstverständlichkeit mehr für Firmen in Sachsen-Anhalt – nicht erst seit Corona.

In den vergangenen Jahren hatten sich die Zahlen branchenabhängig stabilisiert, die Pandemie hat die Lage nun aber wieder verschärft: Die Zahl der Bewerber um eine Berufsausbildung lag im Juli mit 9144 um 900 niedriger als im Vergleich zum Vorjahresmonat (-8,5 Prozent).

Das geht aus Zahlen der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit hervor. Gleichzeitig boten Firmen rund 11 100 Stellen an – auch das sind rund 900 weniger als im Juli 2019 (-7,2 Prozent).

In der Bilanz waren kurz vor dem heutigen Ausbildungsbeginn noch gut 5100 Azubistellen unbesetzt – knapp 300 mehr als 2019. Deutlich wird der Rückgang auch beim Blick auf das Handwerk: Im Kammerbezirk Magdeburg hatten vor Ausbildungsbeginn 824 angehende Lehrlinge einen Vertrag unterschrieben – ein Minus von gut 10 Prozent im Vergleich zu 2019. „Das ist nur ein Bruchteil der Anfänger, die wir 1997 hatten“, sagt Hauptgeschäftsführer Burghard Grupe. Damals waren es 4548.

Unsicherheit durch Shutdown

„Der Shutdown im Zuge der Corona-Krise hat für Unsicherheit bei Schülern, Bewerbern sowie Eltern und Lehrern im Hinblick auf eine Ausbildung gesorgt“, sagt Kammerpräsident Hagen Mauer zu den Gründen. Wegen der coronabedingten Schulschließungen hätten viele Veranstaltungen zur Berufsorientierung nicht stattfinden können.

„Auch viele Unternehmen sind aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation wesentlich abwartender mit der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen als normalerweise“, ergänzt Markus Behrens, Geschäftsführer der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit. „Ich gehe aber davon aus, dass der Markt in den nächsten Wochen noch einen Schub bekommt“, ergänzt er.

Abgerechnet werde am Jahresende, erklärt auch Handwerkskammer-Geschäftsführer Grupe: Viele Bewerber seien noch ohne Stelle, gleichzeitig gebe es allein im Kammerbezirk Magdeburg noch 350 freie Ausbildungsplätze. Insgesamt sind derzeit landesweit noch 3200 Bewerber ohne Ausbildungsplatz.

Firmen und Bewerber zusammenbringen soll neben verstärkter Beratung auch eine ab heute beantragbare Ausbildungsprämie. Von der Corona-Krise schwer getroffene Firmen, die trotzdem ausbilden, können zwischen 2000 und 3000 Euro je Lehrling erhalten. Der Bund stellt dafür 500 Millionen Euro bereit. Burghard Grupe begrüßt das Programm: „Die Antragstellung aber ist extrem bürokratisch. Darüber sind wir tief enttäuscht“, sagt er.