Halle/Magdeburg (dpa) l Menschen mit Behinderung haben es auf dem Arbeitsmarkt trotz guter wirtschaftlicher Lage schwer. Sachsen-Anhalt ist mit einer Beschäftigtenquote von rund 3,6 Prozent bei Schwerbehinderten bundesweit das Schlusslicht, wie die Arbeitsagentur auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Etwas besser als die Unternehmen schneidet indes die Verwaltung bei der Einstellung von Menschen mit Handicap ab.

Deutschlandweit liegt die Beschäftigtenquote nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesarbeitsagentur bei 4,7 Prozent, also unter der angestrebten Mindestquote von 5 Prozent, wie ein Sprecher in Halle sagte. Im Januar waren knapp 4200 Schwerbehinderte in Sachsen-Anhalt ohne Job. Das sei ein Anteil von 4,2 Prozent aller Arbeitslosen im Land. "Im Vergleich zur Wirtschaft ist die Bereitschaft in der Verwaltung, schwerbehinderte Menschen einzustellen, besser", sagte er. Statt Schwerbehinderte zu beschäftigen, zahlten Unternehmen lieber eine Ausgleichsabgabe an den Staat.

Viele Möglichkeiten

Angesichts von Fördermöglichkeiten hätten Arbeitgeber aber durchaus viele Möglichkeiten, behinderten Menschen in Firmen eine Chance zu geben. Unternehmen könnten zudem Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen erteilen, sagte der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Halle.

"Hier wird gearbeitet wie in jeder anderen Firma auch, auf hohem Niveau, aber unter etwas anderen Bedingungen." In den landesweit 33 Werkstätten würden die Fertigungsprozesse und -abläufe aber den speziellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen angepasst – und nicht umgekehrt. Zudem würden sie betreut. Ein Viertel der Menschen wohne in Heimen, der größere Teil im häuslichen Umfeld.

Angemessenere Bezahlung nötig

"Was wir noch mehr brauchen ist eine noch angemessenere Bezahlung für Menschen mit Handicap, ein faires Einkommen, von dem sie selbstbestimmt auch leben könnten", sagte der Sprecher. Derzeit bekomme jemand, der in einer Werkstatt arbeite, im Schnitt zwischen 150 Euro und 200 Euro im Monat und sei auf Hartz IV angewiesen.

Nach Angaben der Landesarbeitsgemeinschaft sind in den Werkstätten knapp 11.500 Männer und Frauen tätig, in vielfältigen Berufen – und dafür auch ausgebildet worden. Dazu zählen die Metall- und Holzbranche, die Garten- und Landschaftspflege sowie Dienstleistungen.

Land fördert mit 110 Millionen Euro

Die Werkstätten bekommen dem Sozialministerium zufolge staatliche Hilfen. "Das Land stellte für die in Werkstätten betreuten Menschen im Jahr 2017 rund 110 Millionen Euro zur Verfügung. 2018 wird mit einer ähnlichen Kostengröße gerechnet", sagte eine Sprecherin in Magdeburg.

Der Sprecher der Regionaldirektion verwies auf Unterstützungsmöglichkeiten für Arbeitgeber, schwerbehinderte Menschen einstellen – zum Beispiel durch Entgeltzuschüsse. Derzeit gibt es in Sachsen-Anhalt nach Ministeriumsangaben zudem 14 Integrationsbetriebe und neun Integrationsabteilungen. Sieben davon sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Unternehmen im Aufbau.

Das Branchenspektrum reiche von Gastronomie, Reinigung, Wäscherei über Tourismus und Gesundheitsdienstleistungen bis hin zu Garten- und Landschaftspflegebau. Diese Unternehmen haben sich verpflichtet, zwischen einem Viertel und der Hälfte ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen zu besetzen.