Magdeburg l Fast jeder fünfte Sachsen-Anhalter ist von Armut bedroht – das geht aus den neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Im Bundesvergleich gehört Sachsen-Anhalt mit 19,5 Prozent trotz eines leichten Rückgangs gegenüber 2017 (21%) zu den drei Bundesländern mit dem höchsten Armutsrisiko.

Für Andreas Steppuhn, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärt sich das schlechte Abschneiden „durch die zuletzt verringerte, aber weiter gespreizte Gehaltsschere zwischen Ost und West“. Es brauche mehr faire Löhne und vor allem tarifgerechte Bezahlung.

Monika Hohmann, kinder- und familienpolitischer Sprecherin der Linken, sieht die Gründe darin, „dass jahrelang für unser Bundesland mit Niedriglöhnen geworben wurde“. Sie erneuerte die Forderung ihrer Partei, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge einen Mindestlohn von 12,00 Euro anzustreben. „Leider weigert sich die Koalition, diesen Schritt zu gehen.“ Aus Sicht von Cornelia Lüddemann, Vorsitzende der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, zeige der geringe Rückgang der Armutsgefährdung, „dass kleine Maßnahmen wenig helfen“. Es brauche große strukturelle Änderungen. „Außerdem muss Armut vom ersten Tag an bekämpft werden, deshalb fordern wir die Einführung einer Kindergrundsicherung.“

Der sozialpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Tobias Krull, sieht die Gründe „unter anderem in den gebrochenen Erwerbsbiographien nach der friedlichen Revolution“. Um das Armutsrisiko zu senken, brauche es gut bezahlte Arbeitsplätze. Oliver Kirchner, Fraktionsvorsitzender der AfD, fordert die Landesregierung auf, „den Kampf gegen Alters- und Kinderarmut mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu führen“.