„Können Sie an einer Hand abzählen“

Arzt berichtet: Es gibt kaum medizinische Gründe gegen eine Corona-Impfung

Mediziner nennen vor allem Allergien als Hindernis. Doch selbst das ließe sich umschiffen.

Von Robert Briest 15.12.2021, 15:04
Fast alle Erwachsenen können laut den Ärzten geimpft werden.   Foto: dpa
Fast alle Erwachsenen können laut den Ärzten geimpft werden. Foto: dpa Sören Stache/dpa-Zentralbild

Merseburg/MZ - 59,6 Prozent der Einwohner im Saalekreis haben aktuell zumindest ihre Zweitimpfung gegen Corona erhalten. Damit ist die Region selbst im unterdurchschnittlich gegen Corona geimpften Sachsen-Anhalt noch unter den Schlusslichtern. Lediglich im Salzlandkreis gibt es anteilig noch leicht mehr Menschen ohne Zweitimpfung, bei Erst- und Boosterimpfungen liegt jedoch auch dieser vor dem Saalekreis.

In der Debatte über Ursachen solcher Zahlen gibt es von Lesern auch immer wieder den Hinweis, dass zu den Ungeimpften nicht nur jene zählen, die sich nicht impfen lassen können, sondern auch jene, die es nicht wollen. Doch wie groß ist der Anteil eigentlich, der sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen sollte?

„Verschwindend gering“, sagt Annegret Muchow, Leiterin des Gesundheitsamtes des Saalekreises. „Wenn es ein Prozent der Bevölkerung betrifft, wäre das viel.“ Der Hauptgrund, weshalb Menschen nicht gegen Covid-19 geimpft werden können, ist auch Sicht der Medizinerin eine starke Allergie auf Bestandteile des Impfstoffes. Bei Patienten mit aktiven Krebserkrankungen oder anderen Krankheiten, die dazu führen, dass sie Immunsuppressiva nehmen müssen, also Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, sieht Muchow eine verringerte Wirkung der Impfung. Schließlich funktioniere diese ja, indem das Immunsystem lernt, eine Antwort auf das Coronavirus zu geben.

Nur ein einziger Fall in der Praxis

Thomas Frank, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für den Bereich Merseburg würde solchen Patienten dennoch auf jeden Fall zu einer Impfung raten, auch wenn sie eine geringere Wirksamkeit hat. Zur Ausgangsfrage, wie hoch die Zahl derer ist, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, sagt Frank: „Die können Sie im Grund an einer Hand abzählen. Es gibt sehr wenig Kontraindikationen.“ Wie Muchow sieht auch er vor allem Patienten, die auf Inhaltsstoffe der Vakzine stark allergisch sind.

In seiner Praxis in Merseburg habe er aber nur einen Fall gehabt, bei dem dieses Problem in Form einer Allergie gegen den Bestandteil Polyethylenglykol bekannt war. Aber auch dafür hat der KV-Sprecher eine Lösung parat. In vielen Fällen könne man auf einen anderen Impfstoff ausweichen, also etwa ein Vektorvakzin wie Astrazeneca statt dem mRNA-Impfstoff von Biontech.