Ausbildung in Sachsen-Anhalt

Rund 11 000 Bewerber wurden

zum Ausbildungsjahr 2019/20 in den Agenturen für Arbeit registriert. Angeboten wurden rund 13 000 betriebliche und öffentliche Ausbildungsstellen.

Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung über alle Ausbildungsjahre lag bei 758 Euro. 2018 waren es 704 Euro. Im Bundesschnitt erhielten die Azubis in den befragten Berufen im Schnitt 805 Euro.

Im aktuellen Ausbildungsjahr blieben 1035 Ausbildungsstellen unbesetzt. Lediglich 20 Prozent der Betriebe in Sachsen-Anhalt beteiligen sich an der Ausbildung. Am zufriedensten äußern sich Azubis in größeren Betrieben.

Magdeburg l Zerspanungsmechaniker oder angehende Industriekaufleute – sie bewerten ihre Ausbildungsberufe in Sachsen-Anhalt als besonders gut. Köche und Hotelfachleute stehen am anderen Ende der Skala. Sie können ihrer Ausbildung im Vergleich eher wenig abgewinnen. Das sind Ergebnisse des Ausbildungsreports des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der gestern in Magdeburg vorgestellt wurde.

Insgesamt 66 Prozent der Azubis in Sachsen-Anhalt sind mit ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden. Im vergangenen Jahr waren es noch 69 Prozent. Ein leichter Rückgang – den der DGB dennoch als Warnsignal versteht. Azubis legten immer größeren Wert auf die Qualität der Ausbildung, sagt DGB-Landeschefin Susanne Wiedemeyer. Zunehmend wichtige Kriterien für die Wahl des Ausbildungsplatzes seien zudem Vergütung und Entfernung zwischen Wohnort, Betriebsstätte und Berufsschule.

Ausbildungsbetriebe müssen dringend eine Schippe drauflegen, um Azubis nicht zu verlieren, mahnt Fabian Pfister, Landesjugendsekretär der DGB-Jugend. Im dritten Jahr in Folge gebe es konjunktur- und demografiebedingt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Ein Teil der Bewerber hat bei der Wahl des Ausbildungsplatzes die Qual der Wahl. Die Unternehmen müssen um die guten Leute kämpfen. 1000 Stellen blieben bei ihnen zuletzt unbesetzt.

Problem außerdem: Noch immer verschwinden zu viele vom Radar, moniert der DGB. 4000 junge Menschen müssen außerschulische Maßnahmen oder schulische Bildungsgänge wahrnehmen, die meist zu keinem qualifizierenden Abschluss führen. Der DGB spricht von "Warteschleifen mit fragwürdiger Perspektive".

Im Ländervergleich Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt bei den Schulabbrechern. Elf Prozent gehen vorzeitig ab. DGB-Landeschefin Wiedemeyer fordert, die Landesregierung müsse für alle auf dem Ausbildungsmarkt Abgehängten endlich Wort halten und die Ausbildungsgarantie aus dem Koalitionsvertrag umsetzen.

Negativer Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt bundesweit auch bei den verzeitig beendeten Ausbildungsverträgen. Das können Wechsel des Ausbildungsberufs oder des -betriebs sein. Darunter fallen aber auch Ausbildungsabbrüche. Wenn Azubis einen Vertrag lösen, spielen meist Qualität der Ausbildung, der Berufsschule und auch hohe Fahrtkosten eine Rolle. Gründe könnten auch sein, dass Standards und gesetzliche Vorschriften von Betrieben ignoriert werden. Anscheinend keine Seltenheit, wie die Befragung veranschaulicht: So gibt fast jeder dritte Azubi (31,5 Prozent) an, keinen betrieblichen Ausbildungsplan zu haben. Nahezu jeder dritte Azubi leistet regelmäßig Überstunden. Für 83 Prozent sind es bis zu fünf pro Woche. Bei 17 Prozent zum Teil sogar deutlich mehr. Sieben von zehn müssen zumindest gelegentlich ausbildungsfremde Tätigkeiten durchführen. 47 Prozent der Befragten ist außerdem im letzten Ausbildungsjahr noch nicht klar, ob nach erfolgreicher Prüfung eine Übernahme winkt.

Ein drängendes Dauerthema sei zudem das Azubi-Ticket. Hessen, Berlin-Brandenburg, Thüringen und andere haben es schon länger eingeführt. In Sachsen-Anhalt herrsche Stillstand, sagt Landesjugendsekretär Pfister. Gewerkschaften, Kammern und Arbeitgeber fordern die Einführung für maximal 365 Euro im Jahr. Unter den Azubis fände das Anklang. 90 Prozent der Befragten würden dafür einen Euro am Tag lockermachen. Im Augenblick zahlt knapp die Hälfte der Auszubildenden für den Weg zur Berufsschule mehr als zehn Euro – pro Tag. Sachsen-Anhalt brauche das Ticket, die Landesregierung müsse im aktuellen Haushalt endlich die Weichen dafür stellen, fordert Fabian Pfister.