Magdeburg l Spätestens nach seinem Freiwilligen Sozialen Jahr in der Uniklinik wusste Simon Pansa, dass er Krankenpfleger werden will.

„Meine Mutter arbeitet in der Uniklinik, ich hatte früh Kontakt mit dem Beruf und ich weiß, dass ich gut Verantwortung übernehmen kann“, sagt der junge Mann. Nach dem FSJ machte sich der Magdeburger auf die Suche nach Stellen. Dabei stieß er auf eine neue Form der Ausbildung in den Pfeifferschen Stiftungen:

Erstmals würde die Pflegeschule ab März eine generalisierte Ausbildung anbieten, hieß es in der Ausschreibung. Konkret: Das Gesundheitszentrum bietet einen Bildungsgang an, der die bislang getrennten Berufe von Kinder-, Kranken- und Altenpfleger zusammenführt.

Optionen offen lassen

Für Pansa war das das perfekte Angebot: „Es umfasst eine breit angelegte Qualifizierung und lässt berufliche Wege lange offen“, sagt der 20-Jährige. So könne er sich noch überlegen, ob er später als Notfallpfleger, in der Anästhesie oder in der Kinderkrankenpflege arbeiten will.

Gestern fiel für Pansa und 46 Mitschüler bei einer Feierstunde in den Pfeifferschen Stiftungen nun offiziell der Startschuss. Die Einrichtung ist eine von vier in Sachsen-Anhalt, die mit dem neuen Angebot starten. Parallel begannen Pflegeschüler auch in Halle, Aschersleben und Weißenfels. „Für uns ist das heute ein guter Tag“, sagte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) während des Festakts. Bundesweit sei nur Hamburg bei der Einführung des neuen Ausbildungsganges schneller gewesen.

Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, sagte: „Wenn wir die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen wollen, müssen wir Strukturen ändern.“ Mit der Verzahnung der Pflegeberufs-Ausbildung sei das gelungen. Diese erweitere nicht nur den Fachkräftepool für Arbeitgeber, sie werde den Beruf auch attraktiver machen.

Hintergrund für die neue Ausbildung ist das seit 1. Januar geltende Pflegeberufereformgesetz. Es sieht vor, dass alle neu beginnenden Pflegeschüler künftig mit der generalisierten Ausbildung beginnen. Anlass für die Reform ist der zunehmende Fachkräftemangel im Pflegesektor – vor allem in der Altenpflege.

Stellen 171 Tage unbesetzt

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit war der Arbeitsmarkt für diese Fachkräfte im Land zuletzt so gut wie leergefegt. Eine freie Stelle blieb im Schnitt 171 Tage unbesetzt. Ganze 24 Arbeitslose kamen auf 100 Stellen. Der Fachkräftebedarf dürfte weiter steigen, da die Bevölkerung im Land älter wird – und mit ihr der Pflegeaufwand steigt. Schon jetzt kämpfen Gesundheitseinrichtungen teils mit harten Bandagen um Mitarbeiter. So lockte die Asklepios-Klinik in Weißenfels Einsteiger zuletzt mit einer Prämie von 10 000 Euro bei Vertragsunterzeichnung. Für Simon Pansa und seine Mitschüler bedeutet das im Umkehrschluss vor allem einen krisenfesten Job. Auch das sei ein Grund für seine Wahl gewesen, erzählt Pansa gestern nach dem Festakt.

Ministerin Grimm-Benne stellt derweil in Aussicht, man werde bei der Reform der Krankenpflegeausbildung nicht stehen bleiben. Auch der Beruf des Pflegesassistenten soll reformiert werden. Das Land will die Ausbildung für die Helfer von einem auf zwei Jahre ausdehnen. Das System solle so noch durchlässiger werden, sagte Grimm-Benne.