Halle (dpa/sa) l Wirtschaftsvertreter wollen die Möglichkeiten vergrößern, dass Jugendliche schon während der Schulzeit in Ausbildungsberufe schnuppern können. Je mehr die jungen Sachsen-Anhalter schon vor einem Start in die Lehre über das Berufsbild wüssten, desto geringer sei die Abbrecherquote, sagte Simone Danek von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau.

Zudem berichteten Betriebe in Umfragen regelmäßig, dass etwa Schülerpraktika inzwischen der Weg Nummer eins seien, um überhaupt Azubis für sich zu gewinnen.

Falsche Erwartungen seien ein häufiger Grund dafür, die Lehre vorzeitig abzubrechen, so Danek. Zudem sorge die Konkurrenz zum Studium dazu, dass Jugendliche noch vor dem Start der Ausbildung absprängen. Im Süden Sachsen-Anhalts gingen in diesem Sommer 162 von knapp 3150 Azubis vorzeitig von Bord.

Ein Jahr zuvor waren es bei ähnlich vielen Lehrverträgen sogar mehr als 200. Zahlreiche Betriebe in allen Branchen klagen darüber, dass sie kaum noch geeigneten Nachwuchs fänden. Das liegt auch an den sinkenden Zahlen von Schulabgängern in Sachsen-Anhalt.

Ausbildungsbotschafter geplant

Projekte und Ideen, wie mehr Jugendliche für eine Lehre begeistert werden können, standen für Montag auf dem Programm einer Fachkonferenz in Halle. Die IHK Halle-Dessau plant etwa, künftig junge Lehrlinge als Ausbildungsbotschafter loszuschicken. Die Kandidaten sollen für die Aufgabe fit gemacht werden und dann in Schulen und auf Berufsbildungsmessen für ihren Job trommeln, sagte Danek.

In anderen Ländern hätten Kammern damit schon gute Erfahrungen gemacht. Auch Schülerfirmen, in denen sich Kinder und Jugendliche ausprobieren könnten, seien sehr hilfreich bei der Frage, welchen Berufsweg sie später einschlagen wollten.

Die IHKs und Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt plädieren zudem dafür, dass die Allgemeinbildung bei den Schülern gestärkt wird – und fächerübergreifend Wirtschaftsthemen eine stärkere Rolle spielen. "Das fängt schon damit an, dass die Schüler mal eine Handelsspanne oder eine Gewinnerwartung berechnen", sagte Danek.

Zudem warb sie dafür, die Berufsorientierung zu intensivieren – vor allem an den Gymnasien. Dort werde zwar das Angebot inzwischen langsam ausgebaut, neben Studiengängen auch Lehrberufe zu empfehlen, sagte die IHK-Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung.

Die Pläne seien aber nicht annähernd vergleichbar mit den Initiativen an den Sekundarschulen. Dort würden in Programmen Stärken, Schwächen und Kompetenzen der Jugendlichen analysiert und auch Praktika in Berufe vermittelt, die nicht ganz oben auf der Wunschliste stünden.

Auch Gymnasiasten informieren

Ähnliches wäre auch für die Gymnasien sinnvoll. Die Kammern hatten jahrelang darauf gedrungen, dass auch Abiturienten verpflichtend über Lehrberufe informiert werden. Das neue Schulgesetz sieht das vor.