Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne will Auszubildende in vielen Gesundheitsberufen künftig vom Schulgeld befreien. "Wir brauchen in diesen Berufen mehr Nachwuchs. Dafür müssen wir die Ausbildung attraktiver machen", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Neben einer angemessenen Ausbildungsvergütung gehöre dazu, dass junge Menschen nicht auch noch für ihre Ausbildung bezahlen müssen.

Bislang hat Sachsen-Anhalt das Schulgeld nur in der Altenpflege abgeschafft. Sie sei selbst erstaunt gewesen, in welchen Berufen Azubis zur Kasse gebeten werden, sagte Grimm-Benne. Ihr zufolge gehören dazu unter anderem Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister sowie Logopäden. Die Ausbildung findet häufig an privaten Schulen statt, die dafür ein Schulgeld von teilweise mehreren Hundert Euro pro Monat verlangen. Kein Schulgeld müssen Azubis dagegen an staatlichen Berufsfachschulen, die einem Krankenhaus angeschlossen sind, bezahlen.

Pürfungen angekündigt

Grimm-Benne kündigte an, ihr Ministerium werde prüfen, wie viele Azubis in den genannten Berufen derzeit für die Ausbildung bezahlen und um welche Gesamtsumme es dabei geht. "Ich rechne aber nicht damit, dass es sich um astronomische Summen handelt." Dieses Geld müsste den privaten Schulen dann aus Landesmitteln ersetzt werden.

Bei einer Landtagsdebatte am Mittwoch nannte Grimm-Benne erste Zahlen. Ihren Angaben zufolge gibt es derzeit rund 400 Azubis in der Physiotherapie, mehr als die Hälfte davon lernen an einer Privatschule, die Schulgeld verlangt. Ähnlich ist der Anteil auch bei den 180 angehenden Ergotherapeuten und 40 Logopädie-Azubis. Die genauen Zahlen auch für andere Berufe müssten aber noch ermittelt werden.

SPD-Fraktionschefin Katja Pähle sagte, das Parlament müsse bei den Beratungen zum Haushalt für die Jahre 2020 und 2021 die Voraussetzungen zur Abschaffung des Schulgelds schaffen. Jedes Hemmnis, das Menschen von einer Ausbildung im Gesundheitsbereich abhalte, müsse ausgeräumt werden. "Ganz oben bei diesen Hürden steht das Schulgeld", sagte Pähle. Auch alle anderen Fraktionen im Landtag sprachen sich für die Abschaffung des Schulgelds aus.

Auch Erzieher im Blick

Neben den Gesundheitsberufen soll auch die Situation von Erziehern in den Blick rücken. Sie müssen häufig ebenfalls Schulgeld bezahlen. Sozialministerin Grimm-Benne kann sich vorstellen, dafür Geld aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz des Bundes zu verwenden, das ab 2019 an die Länder fließt.

Sie setzt auch darüber hinaus auf Unterstützung aus Berlin. Bundesgesundheitsministerin Franziska Giffey (SPD) hatte den Ländern jüngst 300 Millionen Euro für eine Fachkräfte-Offensive für Erzieher in Aussicht gestellt. Das Geld soll vom neuen Ausbildungsjahr 2019 bis 2022 "als Impuls" fließen. Welchen Beitrag die Länder selbst leisten sollen, wurde zunächst jedoch nicht klar. Grimm-Benne betonte im Landtag: "Wir können nicht so lange warten. Wir müssen im Land selbst etwas tun."