Magdeburg (dpa) l Lastwagen, Schwertransporte, Pendler oder Urlauber – die Autobahn 2 in Sachsen-Anhalt ist stark befahren. Damit liegt auch die Unfallgefahr hoch: Auf dem sachsen-anhaltischen Teil der Ost-West-Trasse gab es 2014 pro Kilometer so viele Tote und Verletzte wie auf keiner anderen Autobahn in Sachsen-Anhalt. Statistisch gesehen wurde alle etwa 700 Meter ein Mensch getötet oder verletzt. Das ergab eine Berechnung der Daten des Statistischen Bundesamtes.

Auf geraden Strecken fehlt oft Aufmerksamkeit

„Die A2 ist eine der gefährlichsten Autobahnen Deutschlands“, sagt die für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zuständige ADAC-Sprecherin Christine Rettig. Heute ist die A2 von Oberhausen bis zum Berliner Ring komplett sechsspurig ausgebaut, zahlreiche Laster nutzen die Strecke auf dem Weg zwischen Osteuropa und dem Ruhrgebiet oder den Häfen in den Niederlanden.

Für die Berechnung wurden Verletzte und Getötete in Relation zur Länge der Autobahn gesetzt. Die A2 ist in Sachsen-Anhalt rund 85 Kilometer lang. 2014 wurden auf ihr 233 Menschen verletzt und zwölf getötet. Das ergibt rechnerisch, dass in jeder Fahrtrichtung alle rund 700 Meter einen Mensch getötet oder verletzt wurde. Diese Rechenart wenden auch Experten an: „Das ist eine gängige Methode zur Aufbereitung von Unfallstatistiken“, bestätigt der Verkehrsplaner Florian Amme, der für die Verkehrsforschung und Infrastruktur GmbH in Braunschweig arbeitet.

Anders sieht es bei der Auswertung der absoluten Zahlen aus. Hier ist im Land Sachsen-Anhalt die A9 zwischen Sachsen und Brandenburg trauriger Spitzenreiter: 275 getötete oder verletzte Menschen im Jahr 2014 und damit 30 mehr als auf der A2 – doch die A9 ist auch deutlich länger als die A2. Unter Berücksichtigung der Länge steht die A9 auf dem zweiten Platz der Unfallhäufigkeit, dann kommt die A14, die A38 und schließlich die A143.

Was macht die A2 so gefährlich? Schließlich ist sie gut ausgebaut, es gibt auf ihr in Sachsen-Anhalt kaum Gefälle oder scharfe Kurven und keinen einzigen Tunnel. „Wenn man sich mit Lkw-Fahrern unterhält, sagen sie, die Aufmerksamkeit ist nicht so da, wie wenn man den Berg herunter oder in Kurven fährt“, meint Johannes Stoye, Sprecher der Autobahnpolizei Börde. Oft reihen sich Lastwagen kilometerlang aneinander. „Gerade die Lkw fahren 30, 40 Kilometer hintereinander und sehen nur die Rückwand. Da nimmt die Aufmerksamkeit ab“, sagt Stoye. Zudem gebe es viel Verkehr. Die vielen Fahrzeuge auf der A2 hält auch ADAC-Sprecherin Rettig für eine der Ursachen.

Der tückische gute Ausbau, der die Fahrer unaufmerksam werden lässt und der viele Verkehr – sind das die Zutaten für die große Unfallgefahr auf der A2? Oberkommissar Stoye bremst. Dass die A2 überhaupt als besonders unfallträchtig gilt, gibt ihm schon Rätsel auf „Das verstehe ich nicht“, sagt er. Er habe schon schlimme Dinge gesehen, doch oft gebe es auch Unfälle, bei denen die Auswirkungen auf den Verkehr immens seien, doch niemand ernsthaft verletzt werde.

Als Beispiel nennt er einen im Oktober auf der A2 querstehenden Holzlaster. Damals hatte es wegen der aufwendigen Bergung kilometerlangen Stau gegeben – der Fahrer war aber nur leicht verletzt worden. Jeder höre dann im Radio für Stunden etwas von der A2, doch für Menschen sei alles glimpflich ausgegangen.

Zweitschlechtester Wert in Sachsen-Anhalt

Bei der Unfallgefahr spielt auch eine Rolle, wie viele Fahrzeuge auf der Autobahn überhaupt unterwegs sind. Unfallzahlen mit dem Verkehrsaufkommen statt mit der Fahrbahnlänge zu vergleichen, ist aber nicht einfach, weil Fahrzeuge nur an bestimmten Messpunkten gezählt werden. Nur 29 solcher Zählstellen gibt es auf Autobahnen in Sachsen-Anhalt. Aussagen über die Verkehrsdichte lassen sich damit nur direkt an den Messstellen treffen – die Unfälle passieren aber auch an anderen Stellen. Schon eine Ausfahrt davor oder danach können es mehr oder weniger Autos sein.

Trotz der schwierigen Grundlage lohnt ein Vergleich – die A2 fällt auch dabei wieder negativ auf. So kommt im Abschnitt, der durch den Landkreis Jerichower Land verläuft, auf rund jedes 180-tausendste Fahrzeug ein Toter oder Verletzter. Das ist der zweitschlechteste Wert in Sachsen-Anhalt. Nur der Abschnitt der A38, der durch Mansfeld-Südharz führt, ist so gerechnet noch gefährlicher.