Magdeburg l Im Fall des am Freitagabend in einem Steinbruch bei Ermsleben tot geborgenen 15-Jährigen steht die Staatsanwaltschaft Halberstadt noch am Anfang ihrer Ermittlungen. Nach Aussage von Oberstaatsanwalt Hauke Roggenbuck wurde am Montag beim Amtsgericht Halberstadt die Obduktion des Ertrunkenen beantragt, um Aufschluss über die genaue Todesursache zu erhalten: „Nach ersten Erkenntnissen spricht nichts für ein offensichtliches Fremdverschulden.“ Sprich, es wird von einem Unglücksfall ausgegangen.

Die Frage, ob es sichtbare Verletzungen des Jugendlichen gab, die er sich nach dem Kopfsprung von der Klippe bei einen unglücklichen Aufprall im Wasser zugezogen haben könnte, ließ die Staatsanwaltschaft unbeantwortet. Ob Alkohol im Spiel gewesen ist, werde derzeit geprüft. Nach Volksstimme-Informationen handelt es sich bei dem 15-Jährigen aus Falkenstein/Harz um einen Flüchtling aus Syrien.

Todesopfer immer öfter Flüchtlinge

In Sachsen-Anhalt ertranken nach Angaben der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) im Vorjahr 15 Menschen, zehn Männer und fünf Frauen. Auffällig ist, dass unter den Todesopfern immer öfter auch Flüchtlinge sind – 2017 waren unter den bundesweit 537 Badetoten 64 Flüchtlinge – darunter im Juni ein 16-jähriger Afghane. Er war im Parchauer See ertrunken. Mitte 2016 ertrank in der Ehle Nahe Biederitz ein 14-Jähriger aus Afghanistan. In beiden Fällen war von Nichtschwimmern die Rede.

Zum aktuellen Unglück war es am schwülwarmen Freitagnachmittag gekommen, nachdem sich drei Personen Zugang zu dem privaten und eingezäunten Steinbruch verschafft hatten. Nach einem Sprung ins Wasser tauchte der 15-Jährige nicht wieder auf. Sofortige Rettungsversuche seiner Begleiter verliefen erfolglos. Ihr Hilferuf ging schlussendlich erst mit großer Zeitverzögerung bei der Leitstelle ein, die sofort die DLRG informierte. Die Taucher konnten den Jungen nur noch leblos bergen. Bodo Hantelmann, seit 2010 Besitzer des Steinbruchs, bestätigte gestern der Volksstimme, dass dieser nicht zum ersten Mal unrechtmäßig zum Baden genutzt wurde: „Im Sommer sind hier fast tagtäglich Leute anzutreffen. In der Vergangenheit hat es mehr als 20 Polizeieinsätze gegeben, weil trotz Verbotes gebadet wurde. Ich hätte mir deshalb noch mehr Streifen gewünscht.“

Von der Stelle, von der der Junge ins Wasser gesprungen sei, ginge es drei, vier Meter steil herunter, erzählt Hantelmann. „Ich hätte niemals von dort einen Kopfsprung gewagt. Der Kalksteinbruch ist porös, und auch wegen Unterströmungen unberechenbar“, möchte der Besitzer auch vor dem Nachahmen warnen: „Mensch, die Warnschilder stehen doch nicht umsonst da. Bittet haltet euch an Badeverbote!“, appelierte er. Eine persönliche Anzeige wegen Hausfriedensbruch hat der Steinbruchbesitzer bisher nicht erstattet: „Ich habe ganz andere Sorgen.“