Magdeburg l Rund 40.000 Reisende nutzen durchschnittlich pro Tag den Hauptbahnhof in Magdeburg. Sei es, dass Magdeburg ihr Reiseziel ist oder dass sie hier umsteigen. Von all diesen Menschen ist am Abend gegen 21 Uhr nicht viel zu spüren.

An Arbeit mangelt es dennoch nicht. Denn auch in der Nacht kommen Züge mit Reisenden in der Landeshauptstadt an, auch in der Nacht gehen Magdeburger mit dem Zug auf Reise. Das Wohl der Passagiere im Blick hat Carola Jahnke. Sie hat auf Bahnsteig 6 an der Treppe Position bezogen. Ein junger Mann kommt angehetzt: „Ist das da hinten der Zug nach Wolfsburg?“ Ja, das ist er. Sie berichtet: „Da derzeit in Magdeburg fünf Bahnsteige wegen der Bauarbeiten gesperrt sind, stehen oft zwei Züge an einem der verbliebenen Bahnsteige.“ Das bedeutet, dass die Reisenden wissen sollten, in welchem Bereich ihr Zug steht.

Anschlüsse können nicht warten

Carola Jahnke und ihre Kolleginnen und Kollegen sind hier der erste Ansprechpartner. Sie wissen, wo welcher Zug steht, welcher Anschlusszug noch zu erreichen ist. Erschwerend kommt in Magdeburg hinzu, dass Anschlusszüge nicht in dem Maße wie sonst auf Reisende warten können. Denn angesichts der fehlenden Bahnsteige müssen die Gleise zügig freigemacht werden für die nächsten Züge.

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Die Servicemitarbeiter helfen zudem Menschen mit einer Behinderung beim Einsteigen oder begleiten sie zum nächsten Zug. Das können pro Tag sieben bis acht, aber auch mal 20 bis 25 sein. Auf diesem Gebiet arbeiten Carola Jahnke und ihre Kolleginnen und Kollegen eng mit der Bahnhofsmission auf dem Magdeburger Hauptbahnhof zusammen.

Daneben informieren die Mitarbeiter der Deutschen Bahn im Falle von Verspätungen. Es geht darum, möglich zu machen, was möglich ist. Und doch sind die Servicemitarbeiter eine Art Prellbock für gestrandete Bahnreisende. „Da muss man manchmal schon ein dickes Fell haben und darf den Ärger der Menschen eben nicht persönlich nehmen“, berichtet die Mitarbeiterin der Deutschen Bahn. In den vergangenen Jahren sei der Ton seitens einiger Menschen eben rauer geworden, das bekommen auch die Mitarbeiter auf dem Hauptbahnhof zu spüren. Auf der anderen Seite mache die Arbeit mit den Menschen viel Spaß, wenn man weiterhelfen kann und wenn die Menschen diese Arbeit zu schätzen wissen.

Erste Ansprechpartner für die Reisenden

Als Ansprechpartner helfen auch die Mitarbeiter der DB-Sicherheit weiter. Sie sind aber auf den Stationen vorrangig unterwegs, um das Hausrecht durchzusetzen. Dazu fahren sie auch in den Zügen mit. Denn auch hier haben sich immer einmal wieder Passagiere nicht unter Kontrolle. Und die Mitarbeiter der Sicherheit sind eigens ausgebildet, um auch bei Handgreiflichkeiten oder Sachbeschädigungen eingreifen zu können. Mit der Zeit entwickelt man einen Blick dafür, wo es brenzlig werden könnte, wo man Präsenz zeigen muss, berichtet eine Gruppe von Mitarbeitern der DB-Sicherheit an diesem Abend.

Als eine Frau einen Exhibitionisten auf dem Willy-Brandt-Platz meldet, können die Bahner zwar nicht weiterhelfen: Ihr Zuständigkeitsbereich endet am Portal des Hauptbahnhofs. Aber sie zeigen der Frau den Weg zur Station der Bundespolizei.

Diese ist gerade bei Sicherheitsfragen ein wichtiger Partner der Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn.

Einziger Durchgang wegen Baustelle

Diese haben derzeit mehr auf dem Magdeburger Hauptbahnhof zu tun, da der Fußgängertunnel unter den Gleisen zwischen Willy-Brandt- und Konrad-Adenauer-Platz auch als Durchgang für Fußgänger dient, die zwischen der Magdeburger Innenstadt und Stadtfeld unterwegs sind. Wegen der Baustelle für Eisenbahnbrücken und Fußgängertunnel ist dieser nämlich derzeit der einzige Durchgang, da der Fußweg ebenso wie die Fahrbahn der Ernst-Reuter-Allee ein paar Meter weiter komplett gesperrt ist. Seit Monaten ist dies der Fall, und ein Zeitpunkt für die Freigabe der Strecke ist noch nicht in Sicht. Nach wie vor sind in diesem Zusammenhang für die Mitarbeiter der Sicherheit der Deutschen Bahn jene Passanten ein Thema, die ihr Fahrrad nicht schieben wollen und einfach durch den Fußgängertunnel fahren. Aufgrund der Enge und der Tatsache, dass immer ein Reisender aus einem Aufgang zu den Bahnsteigen heraustreten kann, müssen die Sicherheitsleute der Bahn hier auf die Regeln pochen: Es gilt ein absolutes Fahrverbot für Radfahrer auf dem Gelände des Hauptbahnhofs.

Am Abend ist Platz auch für Ina Reese und ihre Kollegen. Sie sorgen für Sauberkeit auf dem Bahnhof. „Da hat man jeden Tag etwas zu tun. Und ich freue mich, dass die Reisenden unsere Arbeit offenkundig schätzen“, sagt sie. Um die Glasscheiben und Handläufe, die Böden und Bahnsteige sauber zu halten, bedürfe es keiner geheimen Zutaten: „Ein guter Allzweckreiniger hilft da Wunder“, berichtet sie. Ein hartnäckiger Finke für alle Fußböden sind Kaugummis, die einfach auf den Boden gespuckt werden. Ina Reese berichtet: „Da muss man dann vor allem schnell handeln, damit sie gar nicht erst fest werden.“ Oder im Idealfall hat der Verursacher dieser Verschmutzung den Kaugummi selbst wieder eingesammelt, da zum Beispiel ein Mitarbeiter der Sicherheit der Deutschen Bahn dazu ermuntert hat.

Damit draußen alles rollt, muss auch drinnen gearbeitet werden. Die Bahnmitarbeiter an den Monitoren haben dabei nicht allein Magdeburg im Blick. In der Nacht ist zum einen im Obergeschoss des repräsentativen Empfangsgebäudes des Magdeburger Hauptbahnhofs einer der beiden Arbeitsplätze im Bereich Sauberkeit, Service und Sicherheit besetzt.

Blick auf Bahnhöfe von Altmark bis Harz

Hier arbeitet an diesem Abend Astrid Sandke. An mehreren Bildschirmen kann sie unter anderem Kameras von Bahnsteigen aufschalten. Und dabei ist sie nicht allein für den Magdeburger Hauptbahnhof zuständig, sondern für die Bahnhöfe im gesamten Norden Sachsen-Anhalts zwischen Altmark und Harz. Sie sagt: „Heute ist es bislang ruhig geblieben.“ Bei ihr laufen zum Beispiel die Anrufe ein, die Reisende von Bahnsteigen an die Servicenummer absetzen. Früher hat es dazu eigens Technik auf den Bahnsteigen gegeben. Nach und nach gab es für diese aber keine Ersatzteile mehr. Daher setzt die Deutsche Bahn darauf, dass die Reisenden im Fall der Fälle kurzerhand per Mobiltelefon die Servicenummer wählen, die an den Bahnsteigen aufgehängt ist.

Der Fall der Fälle, der zu einer stressigen Nacht im Obergeschoss des Hauptbahnhofs führen kann, kann dann eintreten, wenn aufgrund einer Havarie viele Reisende betreut werden müssen.

Überwachung der Zugbewegungen

Damit der Bahnverkehr reibungslos läuft, schiebt einen Raum weiter auch Gritta Schulze Nachtschicht. Auch an ihrem Arbeitsplatz sind mehrere Bildschirme aufgebaut. Sie überwacht – ebenfalls für den gesamten Norden des Landes – wo welche Züge unterwegs sind. Hier geht es zum Beispiel um die Informationen der sogenannten Transporteure. Damit sind alle gemeint, die gerade mit einem Zug auf den Gleisen im nördlichen Sachsen-Anhalt unterwegs sind – egal, ob Deutsche Bahn oder ein anderes Eisenbahnunternehmen.

Von hier werden unter anderem die automatischen Ansagen auf den Bahnsteigen gesteuert. Falls das Programm einmal nicht die passenden Worte findet – dann sind Gritta Schulze und ihre Kolleginnen und Kollegen am Zug. Auf jedem der drei Arbeitsplätze im Magdeburger Hauptbahnhof ist daher auch ein Mikrofon installiert.

Zwischen 2 und 4 Uhr kommen die wenigsten Züge auf dem Magdeburger Hauptbahnhof an. Die S-Bahnen fahren weiterhin, und auch der eine oder andere Regional- und Fernzug fährt um diese Zeit. Doch dann geht es Schlag auf Schlag: Immer mehr Pendler strömen durch den Fußgängertunnel und eilen zu den Zügen. Sie wollen rechtzeitig in Wolfsburg oder in Berlin, in Leipzig oder in Hannover auf Arbeit, zur Ausbildung oder zum Studium sein. Und einige Zeit später kommen dann auch jene an, die als Pendler zur Arbeit nach Magdeburg kommen: Die Ruhe der Nacht ist für den Tag wieder vergessen.