Dannigkow l Nach dem schweren Unfall am beschrankten Bahnübergang zwischen Dannigkow (Jerichower Land) und Pretzien (Salzlandkreis) im Februar 2018 ermittelt die Staatsanwaltschaft Stendal gegen einen Fahrdienstleiter, der am betreffenden Tag auf dem Stellwerk Gommern Dienst hatte. Das teilte Behördensprecher Thomas Kramer am Freitag auf Anfrage mit.

Ermittelt werde wegen des Vorwurfs des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung, so der Staatsanwalt. Es sei nicht auszuschließen, dass der Fahrdienstleiter seine Pflichten missachtet und gegen Rechtsvorschriften zur Sicherung des Schienenbahnverkehrs verstoßen habe.

Meldung von Schranken

Der Bahnmitarbeiter, der am Unfalltag mit einem Auszubildenden die Strecke überwachte, habe möglicherweise falsch reagiert, nachdem die Meldung eingegangen war, dass sich die Schranken nicht geschlossen hatten. Am Unglückstag gegen 7.30 Uhr war eine 19 Jahre alte Frau mit ihrem Pkw vom Dornburger Weg, der eine Strecke parallel zur Bahnlinie Magdeburg-Dessau verläuft, rechts auf den Bahnübergang abgebogen. Da weder das Rotlicht geblinkt hatte, noch die Schranken geschlossen waren, wollte die junge Frau den Bahnübergang überqueren.

Als sie auf die Gleise fuhr, hörte die 19-Jährige nur noch das laute Hupen eines Zuges, der von links aus Richtung Gommern auf den Bahnübergang zurollte. Die Lok vom Regionalexpress 16103 rammte das Auto hinten links. Der Zug war mit „zugelassenen 120 Stundenkilometern“ unterwegs, wie die ermittelnde Bundespolizei in Magdeburg am selben Tag mitgeteilt hatte.

Nach jetzigen Ermittlungsergebnissen steht es fest, dass es dem Lokführer zu verdanken ist, dass die Unfallfolgen nicht noch gravierender sind. Der Mann habe bereits eine Gefahrenbremsung eingeleitet, als er die offene Schranke bemerkt hatte.

Psychische Folgen durch Unfall

Das Auto wurde völlig zertrümmert und die junge Frau war mit Verletzungen an den Beinen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Sie leidet noch heute unter den psychischen Folgen des Horror-Crashs. Da die Studentin nun ohne Auto ist, muss sie täglich mit der Bahn nach Magdeburg fahren. Allerdings kostet es sie immer wieder große Überwindung, einzusteigen.

Unzufrieden ist die 19-Jährige mit dem Verhalten der Bahn nach dem Unfall. Eine Woche nach dem Geschehen sei sie von DB-Mitarbeitern besucht worden, die ihr versprochen hätten, alle versicherungstechnischen Fragen schnellstens zu regeln. Inzwischen sind drei Monate vergangen – und still ruht der See.