Magdeburg l Es ist die kleinste Autobahn in Sachsen-Anhalt – aber auch die teuerste und aufwendigste. Gerade mal 22 Kilometer misst die A 143 im Westen Halles. Zehn Kilometer sind schon lange fertig. Ein 12 Kilometer kurzes Stück fehlt. Es kostet 350 Millionen Euro. 30 Millionen pro Kilometer lässt sich der Bund den Lückenschluss kosten – das ist in Sachsen-Anhalt Landesrekord. Ewige Planungszeiten und aufwendigste Naturschutz-Bauten treiben die Kosten. 2005 lag die erste Baugenehmigung vor. Der Naturschutzbund klagte erfolgreich. Die Piste quert drei streng geschützte FFH-Gebiete. 2018 legte das zuständige Landesverwaltungsamt die neuen Pläne vor. Nun klagten die Tonwerke Salzmünde. Die Piste quert ein gartengroßes Stück Firmenland von 600 Quadratmetern. Der Inhaber sieht sich dennoch existenzgefährdet. Er will mehr Entschädigung.

Am Mittwoch kam Entwarnung: Die obersten Richter am Bundesverwaltungsgericht Leipzig wiesen die Klage zurück. Zudem: An den Plänen gab es auch naturschutzfachlich nichts auszusetzen. Für die Planer war dies nach Jahren herber Rückschläge der Ritterschlag. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) sagt erleichtert: „Das ist ein sehr bedeutender Tag.“ Im Herbst ist erster Spatenstich.

Was macht die Straße so teuer?
Bei Salzmünde quert die Piste die Porphyrkuppenlandschaft – einen kleinen Wall, auf dem Trockenrasen und Kleines Knabenkraut wachsen. Alles streng geschützt. Um die Abgasbelastung zu mindern, wird ein 300 Meter langer Landschaftstunnel gebaut. Die Straße führt durch die Röhre, und auf dem Tunneldach wird die Porphyrlandschaft wieder nachgebildet. Zudem erhält der Tunnel einen Schornstein. Der pustet Stickoxide in den Himmel. Und: In dem Areal gelten strenge Tempolimits von 60 und 80 km/h. Jedenfalls bis 2028. Danach – wenn die Motoren sauberer sind – können die Limits fallen.

Hinzu kommt eine 1000 Meter lange Saale-Brücke. Sie bekommt eine Glaskuppel, um den Lärm zu dämmen. Ein weiterer 200 Meter langer Lärmschutztunnel und fünf Brücken für den Wildwechsel stehen zudem auf der Liste.

Was bringt die Autobahn?
Vor allem eine kürzere und schnellere Verbindung in Richtung Thüringen und Hessen. Die A 143 schließt die Lücke zwischen A 14 (Schwerin-Magdeburg-Dresden) und A 38 (Halle-Sangerhausen-Göttingen). Der 50 Kilometer lange Umweg über Schkeuditzer und Hermsdorfer Kreuz entfällt. Zudem erwartet Halle, dass sich weniger Laster durch die Stadt quälen.

Wegen der aufwendigen Bauten und einiger Naturschutzeinschränkungen (zum Teil Nachtbauverbot) zieht sich der Bau bis 2025 in die Länge. Sechs Jahre für 12 Kilometer – auch das ist Landesrekord.

Weiterbau A 14 im Herbst

Auch mit der A 14 in Richtung Schwerin geht es ein Stück weiter. Im Herbst will Sachsen-Anhalt die Baugenehmigung für ein Stück bei Stendal erteilen. Dann kann die 31 Kilometer lange Etappe zwischen Lüderitz und Osterburg gebaut werden. Auf anderen Abschnitten verzögert sich der Start erneut. Für den Abschnitt von Osterburg nach Seehausen sowie die Etappe über den Mittellandkanal bei Wolmirstedt erfolgen die Genehmigungen erst 2020.