Magdeburg l Auf diesen Mann hat der Ausschuss lange gewartet. Nun ist er da. Der renommierte Berliner Kommunikationsexperte Michael Kronacher soll Licht ins Dunkel der Affäre um fragwürdige Beraterverträge bringen. Welche Leistung hat er 2011 wirklich für den damaligen Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) erbracht?

Kronacher wirkt tiefenentspannt. Lässig sitzt der Mann, der schon mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zusammenarbeitete, auf seinem Stuhl. Er macht es sich gemütlich – und tut so, als habe er nahezu nichts mit den Vorgängen aus dem Jahr 2011 zu tun.

Damals beriet Kronacher die Landes-SPD im Wahlkampf – mit ihrem Spitzenkandidaten Bullerjahn. Das war sein normales Geschäft. Doch nur wenige Wochen nach der Wahl erhielt der Berater auch einen lukrativen Auftrag des Finanzministeriums. Kronacher sollte eine neue Kommunikationsstrategie für den „finanzpolitischen Dialog“ mit den Kommunen entwickeln. Kostenpunkt: 28.000 Euro. Viele Abgeordnete befürchten, dass Bullerjahn seinem Wegbegleiter einen lukrativen Vertrag zugeschustert hat.

Bei Vergabe wurde getrickst

Denn bei der Vergabe wurde getrickst: Auf Wunsch Bullerjahns beauftragte das Ministerium über die Landes-Investitionsbank das Institut ISW in Halle, welches den Auftrag schließlich an Kronacher gab. So umging man den Finanzausschuss des Landtags.

Michael Kronacher tangiert das am Freitag gar nicht. Ob der Vertrag vergaberechtlich korrekt zustande gekommen ist, könne er nicht prüfen, sagt er.

Das ist den Abgeordneten zu einfach. Ob es ihn nicht gewundert habe, dass er nicht direkt vom Ministerium beauftragt wurde? Nein. Kronacher räumt zwar ein, dass ihm ein solches Konstrukt in seiner 35-jährigen Beraterkarriere noch nicht untergekommen ist – doch verwundert habe ihn das nicht.

Beide SPD-Mitglied

Minutenlang plätschert die Befragung vor sich hin. Kronacher ist ein Profi. Er bestätigt Bekanntes, zum Beispiel, wie Bullerjahn SPD-Mitglied zu sein. Die Abgeordneten fragen das Naheliegende: Wollte der Minister seinem Freund mit dem Auftrag etwas Gutes tun?

„Ich kann nichts fragwürdiges oder anstößiges erkennen“, versucht Kronacher den Verdacht zurückzuweisen. Seine fachliche Expertise habe ihn für diese Aufgabe qualifiziert.

Dass die Politiker überhaupt in diese Richtung fragen, nervt den Berater sichtlich. Als sie immer wieder betonen, dass der Vertrag des Ministeriums wie ein Anschlussvertrag an seine Wahlkampfberatung wirkt, gibt sich Kronacher empört. Dieser Verdacht sei „ehrenrührig“ moniert er. „Es gibt keine Vermengungen, die anrüchig sein könnten“, blafft er die Abgeordneten an.

Dürftiges Konzept

Kronacher listet auf, dass er 23 Termine mit Bullerjahn und seinen Mitarbeitern absolviert habe, an mehrere Veranstaltungen teilnahm und ein Abschlusskonzept erstellt hat.

Dieses liegt der Volksstimme vor: Es umfasst gerade einmal 16 Seiten und besteht vor allem aus Phrasen. Kronacher rät zu einem „betont sachlichen Kommunikationsstil“, die finanzielle Eigenständigkeit Sachsen-Anhalts sei ein „anstrengender und anspruchsvoller“ Weg, aber ein „lohnendes Ziel“. Kronacher empfiehlt den Werbeslogan: „Die Zukunft meistern“.

Wurde das jemals umgesetzt? Der Experte zuckt nur mit den Schultern. Die Erfolgskontrolle sei nicht seine Aufgabe gewesen, er habe schließlich nur Vorschläge gemacht.

Für die Abgeordneten steht am Ende kaum ein Erkenntnisgewinn. CDU und Grüne sehen sich jedoch in einem Verdacht bestätigt: Bullerjahn umging den Landtag bewusst. Olaf Meister (Grüne) sagt: „Der Finanzausschuss hätte einen solchen Vertrag nie ohne Weiteres freigegeben.“