Magdeburg (dpa) l Sachsen-Anhalt muss aus Sicht der Wohnungswirtschaft neue Konzepte für die künftige Entwicklung aufstellen. Die zentrale Frage sei, welche Folge die Abwanderung vom Lande in die großen Städte Magdeburg und Halle habe, wenn die Sachsen-Anhalter insgesamt weniger werden, sagte der Chef des Verbands der Wohnungswirtschaft, Jost Riecke, am Mittwoch in Magdeburg. Die genossenschaftliche und kommunale Wohnungswirtschaft, die Vermieter für 600.000 Menschen im Land ist, forderte eine Kommission für gleichwertige Lebensverhältnisse in Sachsen-Anhalt.

Vorbild ist ein gleichnamiges Gremium der Bundesregierung, das Vorschläge machen soll, wie sich die Strukturschwäche vieler Regionen bekämpfen lässt. Die genossenschaftliche Wohnungswirtschaft hat ein großes Interesse daran, dass die Zukunftsfrage gelöst wird. Denn zwei Drittel ihrer knapp 312.000 Wohnungen bietet sie fern von Magdeburg und Halle an.

200.000 Einwohner weniger

Doch Prognosen sagen nur den beiden Großstädten bis 2030 eine wachsende Bevölkerungszahl voraus. Die Landeshauptstadt soll im Vergleich zu 2014 um 3,8 Prozent, Halle um 2,6 Prozent zulegen. In den anderen Kreisen und in Dessau-Roßlau wird ein dickes Minus erwartet. Hier könnte die Bevölkerung bis 2030 um 11 Prozent abnehmen. Das wären über 200.000 Einwohner weniger als derzeit. Riecke zählte eine Reihe von Fragen auf, die deshalb geklärt werden müssten: Wie können Innenstädte belebt und attraktiv gehalten werden? Bis zu welcher Größe sei es wirtschaftlich und sinnvoll, Dörfer noch mit langen Trinkwasser- und Abwasserleitungen ans Netz anzuschließen und Dorfstraßen zu asphaltieren? Diese und ähnliche Fragen müssten die Städte und Gemeinden selbst klären, sagte Riecke.

Die Verbände der Wohnungswirtschaft und der Wohnungsgenossenschaften vertreten 195 Unternehmen, die schon jetzt mit unterschiedlichen Leerständen kämpfen: In Magdeburg liegt er bei 5,8 Prozent, fern der Großstädte steht jede achte Wohnung leer, so der Verbandschef für die Wohnungsgenossenschaften, Ronald Meißner. Dabei wurden mit Hilfe öffentlicher Förderung bereits 89.500 Wohnungen abgerissen.

Bestandsmieten kaum angepasst

In den Großstädten liege die durchschnittliche Nettokaltmiete bei 5,50 Euro pro Quadratmeter, im Rest des Landes einen Euro darunter. 2017 kletterten die Mieten im Durchschnitt bei den genossenschaftlichen Anbietern um 1,2 Prozent, sagte Meißner. Damit liege das Plus unter der Inflationsrate und sei eigentlich nicht wirtschaftlich. Gerade Bestandsmieten würden kaum angepasst. Zudem habe der Mieter auch in Magdeburg und Halle trotz Zuzugs nach wie vor so viele Ausweichmöglichkeiten, dass die Anbieter Erhöhungen scheuten.