Magdeburg l Da ist ein Lehrer seit Jahren Schulleiter, nie gab es schweren Tadel von oben – und plötzlich liest er im Stellenanzeiger („Schulverwaltungsblatt“) eine Ausschreibung. Angepriesen wird eine Schulleiterstelle – nämlich seine eigene. Was wie eine Episode aus einem bösen Traum klingt, ist in Sachsen-Anhalt Wirklichkeit. Allein im Landkreis Harz traf es fünf Schulleiter. In Magdebugs sind es sechs. Im gesamten Norden Sachsen-Anhalts betrifft es 17. Im Süden stehen die Ausschreibungen noch aus. Zuständig dafür ist das Landesschulamt. Das Bildungsministerium spricht von einer Kommunikationspanne.

Was ist passiert? Etliche Grundschulen Sachsen-Anhalts verzeichnen wachsende Schülerzahlen. Einige Standorte sind zusammengelegt worden; außerdem wandern weniger Familien als früher in den Westen ab. Wächst die Schule, wächst auch das Salär des Schulleiters. Gesetzlich festgelegt sind vier Stufen. Mit jeder Stufe nach oben gibt es gut 300 Euro mehr im Monat. Für langjährige Leiter reicht die Spanne von etwa 4600 Euro brutto (Besoldungsstufe A 12 in kleinen Schulen bis 80 Kinder) bis zu 5500 Euro (A 14 in großen Schulen mit über 360 Kindern). Der Haken: Bei jeder Höherstufung wird die Stelle gänzlich neu ausgeschrieben. Der Amtsinhaber, aber auch andere, können sich bewerben.

Das muss so sein – sagt das Haus von Bildungsminister Marco Tullner (CDU). Und verweist auf Grundgesetz und Landesbesoldungsgesetz. Nur: Eigentlich werden die Amtsinhaber erst telefonisch informiert, ehe die Stelle im Anzeiger steht. Das hat nicht geklappt. Am 20. Juli wurde annonciert; erst kurz vor Ablauf der Frist am 17. August klingelte das Telefon. „Das war bedauerlich und soll nicht wieder passieren“, sagt Ministeriumssprecher Stefan Thurmann.

Lehrer-Gewerkschafter Mike Litschko von der GEW wertet den Vorgang so: Rechtlich sauber, aber menschlich fatal. Die Kollegen haben sich schließlich seit 20, 25 Jahren im Alltag bewährt. Und nun müssen sie sich neu bewerben? Bildungspolitiker Thomas Lippmann von der Linken hält das denn auch für „ein absurdes Verfahren“. Er meint: Steigt die Schülerzahl, ändert sich grundsätzlich nichts an der Aufgabe. Eine Beförderung ohne Ausschreibung würde völlig reichen. Notfalls müsse das Landesbesoldungsgesetz geändert werden. Lippmann fordert gar ein und dieselbe Soldstufe für alle Grundschulleiter aller Größen. Auch Wolfgang Ladebeck, Landeschef der Beamtenunion dbb, spricht von „überbordender Bürokratie“ bei der Lehrerschaft. Denn: Ein Polizist, der etwa auf einer A-12-Stelle sitzt und befördert wird, müsse sich auch nicht erneut bewerben.