Magdeburg l Die Schulpolitik sorgt erneut für Zwist in der Kenia-Koalition. Es droht das Aus für Gemeinschaftsschulen im Land. Diese Befürchtung beruht auf einer „Verordnung zur Schulentwicklungsplanung 2022“, die das von Marco Tullner (CDU) geführte Bildungsministerium vorgelegt hat. Diese sieht unter anderem vor, die Mindestschülerzahl in Gemeinschaftsschulen von 240 auf 300 anzuheben. Dem Papier zufolge erreichen derzeit 15 Schulen im Land diese Mindeststärke nicht.

Die SPD schlägt Alarm. Die Fraktionschefin im Landtag, Katja Pähle, sieht die unter sozialdemokratischer Verantwortung eingeführte Schulform und insbesondere den begonnenen Aufbau von Abiturstufen bedroht. Bei der Koalitionsbildung 2016 sei Konsens gewesen, die Schulstrukturen unverändert zu lassen, sagte sie. „Es darf keine ideologisch motivierte Benachteiligung einer Schulform geben.“ Die SPD werde sich an „keiner derartigen Veränderung“ beteiligen. „Wir gehen davon aus, dass auch CDU und und Grüne kein Interesse daran haben, ohne Not eine landesweite Schulschließungsdebatte vom Zaun zu brechen.“ Nach SPD-Informationen wären bei einer Anhebung der Mindestschülerzahl folgende zehn Gemeinschaftsschulen von der Rückumwandlung in eine Sekundarschule bedroht: Wolmirstedt, Oschersleben, Arendsee, Tangerhütte, Seehausen, Barleben, Harzgerode, Muldenstein, Oebisfelde und Gröbzig. Aus dem Bildungsministerium verlautete, es müssten noch Gespräche geführt werden.

Die Gemeinschaftsschule gilt als bevorzugtes Schulmodell der SPD. Sie ermöglicht langes, gemeinsames Lernen. Die CDU bevorzugt das klassische System aus Haupt-, Realschule und Gymnasium.