Magdeburg l Die besten Ergebnisse erreichen im „Bildungsmonitor 2017" Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg, gefolgt von Hamburg und dem Saarland. Sachsen-Anhalt kommt auf Platz neun. Das Land kann vor allem mit Schulqualität und Betreuungsrelationen punkten – hier stößt Sachsen-Anhalt in die Spitzengruppe vor.

Die Prognose für die nächsten Jahre fällt jedoch nicht ganz so rosig aus. Sachsen-Anhalt zähle zu den Bundesländern, bei denen der Lehrermangel besonders zu Buche schlage, sagte Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Grund: die ungünstige Altersstruktur. „Sehr viele Lehrer sind 55 Jahre und älter und müssen auf einen Schwung ersetzt werden", erklärte Plünnecke. Das mache es schwierig, das gute Niveau bei der Betreuung zu halten.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) entgegnete, in den vergangenen Jahren seien aufgrund der Sparnotwendigkeiten kaum junge Kollegen eingestellt. „Die Folge ist ein Altersschnitt in den Kollegien, den man nicht als optimal bezeichnen kann. Grundsätzlich gibt es aber keinen Zusammenhang zwischen dem Alter und der Unterrichtsqualität eines Kollegen."

Besonders gute Betreuungsbedingungen

Die IW-Forscher hatten am Donnerstag den Bildungsmonitor veröffentlicht. Das unternehmernahe Institut hatte sie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erarbeitet. Basis der Studie sind Zahlen aus dem Jahr 2015. Sachsen-Anhalt weist demnach besonders gute Betreuungsbedingungen auf. So hatte das Land zu diesem Zeitpunkt mit durchschnittlich 19,3 Kindern pro Klasse die drittkleinsten Klassen aller Länder (Bundesdurchschnitt: 20,7). Rein rechnerisch kamen zum Beispiel auf einen Grundschullehrer 15,1 Schüler und damit weniger als im Bundesdurchschnitt (16,2). Auch in den anderen Schulformen schnitt Sachsen-Anhalt sehr gut ab.

Bei der Qualität der Bildung vergaben die Forscher den vierten Platz – hinter Sachsen, Bayern und Thüringen. Ausschlaggebend waren hier die guten Ergebnisse bei Schulleistungstests in Mathematik und Naturwissenschaften sowie im Lesen. In der Gesamtwertung fiel das Land im Vergleich zur Studie aus 2013 zurück. Zwar verbesserte es sein Ergebnis leicht, wurde jedoch von noch besser abschneidenden Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen überholt.

Situation nicht immer einfach

Bundesweit am schlechtesten fiel mit 10,3 Prozent in Sachsen-Anhalt der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss aus (Durchschnitt: 5,6 Prozent). Das hat sich bis heute nicht geändert. Und: 2015 erreichten in Sachsen-Anhalt 24,9 Prozent der ausländischen Schulabsolventen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 11,8 Prozent) – damit hatte das Land die rote Laterne.

Das Schicksal der ungünstigen Altersstruktur teilt das Land allerdings mit den anderen ostdeutschen Bundesländern. Die Situation sei nicht immer einfach gewesen, räumte Bildungsminister Tullner ein. Zugleich verwies er darauf, dass die Landesregierung in den zurückliegenden eineinhalb Jahren 930 neue Lehrer eingestellt habe. Der Altersdurchschnitt liege inzwischen bei 50,4 Jahren.

Sachsen-Anhalt konnte zuletzt 100 von 370 ausgeschriebenen Stellen nicht besetzen. Das soll im September nachgeholt werden. Angesichts des Lehrermangels warb das Bildungsministerium zuletzt auch darum, größere Klassen zu bilden.