Nachkommen des Adelsgeschlechtes holen ihre Bibliotheken aus Wolfenbüttel an früherem Stammsitz in Sachsen-Anhalt zurück

Bücherschätze derer von Alvensleben werden im Schloss Hundisburg vereint

Von Claudia Labude 23.08.2011, 04:30

Rund 9000 Bücher aus zwei Bibliotheken der Familie von Alvensleben sollen auf dem Schloss Hundisburg (Landkreis Börde) im kommenden Jahr vereinigt werden. Momentan werden die Werke, die überwiegend aus dem 16. Jahrhundert stammen, in Halle/Saale und Wolfenbüttel aufbewahrt und präsentiert. Doch die Nachkommen des Adelsgeschlechtes entschieden sich dazu, ihren literarischen Schatz zu dessen Wurzeln zurückzubringen.

Hundisburg. Von einer wichtigen "Heimkehr" war gestern die Rede, und auch von einer "für das Land sehr bedeutsamen literarischen Wiedervereinigung". Auf einem der früheren Stammsitze des Adelsgeschlechtes von Alvensleben - dem Barockschloss Hundisburg - unterzeichneten Vertreter der Familie Verträge mit der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle. Diese übernimmt mit Stichtag 1. Januar 2012 die Lehens- und die Kapellenbibliothek der Familie, die zusammen rund 9000 Werke umfassen. In Fachkreisen spricht man bei dieser Sammlung von der bedeutendsten Privatbibliothek nach der Reformation.

Seit 1976 waren die Bibliotheken getrennt voneinander aufbewahrt worden - ein Großteil davon als Leihgabe in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Ein weiterer Teil der Bücher befindet sich auch schon im Bestand der hiesigen Universitäts- und Landesbibliothek. "Die Entscheidung, die Bibliotheken zu überführen und im Hundisburger Schloss zu vereinen, fiel auf unserem Familientag im September 2010", erinnert sich Reimar von Alvensleben. Die Kultusministerin des Landes Niedersachsen versuchte zwar noch, in einem Briefwechsel ihre damalige Amtskollegin Birgitta Wolff aus Sachsen-Anhalt davon zu überzeugen, den Verbleib der Werke in Wolfenbüttel zu unterstützen, doch vergeblich.

Denn auch im Land Sachsen-Anhalt ist man stolz darauf, diesen bedeutenden Kulturschatz bald wieder an seinem Ursprungsort aufzubewahren und dort nicht nur für die wissenschaftliche Forschungsarbeit, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können. Das verdeutlichte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD), der gestern der Vertragsunterzeichnung beiwohnte, und dem die Begeisterung über diesen Entschluss anzumerken war. Man hätte keinen geeigneteren Ort für die künftig vereinte Bibliothek finden können als das Schloss in Hundisburg, das als Schauplatz der "Epigonen" nicht nur selbst in der schöngeistigen Literatur Platz gefunden hat, sondern auch mit der Familie auf das engste verbunden ist. Wurde doch Joachim von Alvensleben, Gründer der Bibliothek und bedeutender Reformator, am 7. April 1514 dort geboren. "Die Stadt Haldensleben ist als Eigentümer des Schlosses nun um eine bedeutende Attraktion reicher", gratulierte Dorgerloh dem Bürgermeister der Rolandstadt, Norbert Eichler.

Mit der Unterzeichnung der Verträge teilt sich die Verantwortung für die künftige Bibliothek, die eine Außenstelle der Hallenser Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) sein wird. So stellt die Stadt Haldensleben als Eigentümer des Schlosses die Räume zur Verfügung und trägt die laufenden Kosten. Die ULB trage Sorge für die wissenschaftliche Betreuung und Aufbereitung der Bibliothek, der Verein Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg übernehme deren touristische und kulturelle Einbindung.

"Damit hat die Bibliothek nicht nur einen guten Aufbewahrungsort, sondern ein wirkliches Zuhause gefunden", schwärmte der Kultusminister. Er dankte den Vertretern der Familie für "diese couragierte Entscheidung". Sei doch die Bibliothek auch in Wolfenbüttel an "keinem schlechten Ort gewesen. Aber die Entscheidung für das Schloss Hundisburg ist ein besonderes Bekenntnis zu diesem Ort und dem, was man hier geleistet hat", so Dorgerloh. "Wir haben die Entscheidung vor allem deshalb getroffen, weil der geistige Schatz wieder in die Landschaft zurückkehren soll, wo er zusammengetragen wurde und seine Wirkung entfaltete", begründete Busso von Alvensleben den Schritt der Familie.

Am bedeutendsten Stammhaus der Familie, dem Schloss Erxleben, sei die Schaffung einer Bibliothek nicht möglich gewesen. Dort ginge es vor allem darum, den Verfall von Schloss II aufzuhalten. In Wolfenbüttel habe man sich wohlgefühlt. "Die Werke dort herauszunehmen ist ein Wagnis, das wir eingehen, weil wir volles Vertrauen setzen in die Obhut, die man hier bietet", so von Alvensleben. Man sei in freudiger Erwartung der Aufstellung und hoffe, dass die Bibliotheken Impulse für die Kultur und Bildungslandschaft Sachsen-Anhalts geben.

Wie Dr. Heiner Schnelling, Direktor der Hallenser ULB, erklärte, rechne man im Sommer 2012 mit der Fertigstellung und Eröffnung der Bibliothek. Die Familie von Alvensleben begrüßte diesen Zeitplan. Denn sie wollen ihren Familientag im kommenden Jahr wieder in Hundisburg durchführen und dann sehen, wie ihr Entschluss dort umgesetzt wurde. Meinung