Magdeburg l Bahnhöfe in Sachsen-Anhalt sind häufig Anziehungspunkte für Kriminelle. Die Statistik der Bundespolizei zeigt teils enorme Zuwächse an Gewalttaten. Auch die Beamten selbst sind häufiger Ziel von Angriffen. Die Zahl der registrierten Delikte sei von knapp 6500 auf rund 8300 gestiegen, sagte der Leiter der Bundespolizeiinspektion Magdeburg, Alexander Schmelzer. "Die Gewalt steigt extrem an." Im Jahr 2016 hatte es noch rund 500 Gewaltdelikte gegeben, 2017 seien es schon mehr als 700 gewesen. Die Attacken richteten sich auch gegen Bundespolizisten. "Die Hemmschwelle sinkt", sagte Schmelzer.

2017 seien 169 Bundespolizisten angegriffen worden, 2016 waren es den Angaben nach noch 130. Verletzt wurden dabei aber weniger Menschen: 21 nach 25 im Vorjahr. Die insgesamt rund 300 Bundespolizisten in Sachsen-Anhalt seien gut ausgebildet und trügen inzwischen alle ihre Schutzausrüstung samt Weste, sagte Schmelzer weiter.

Angriffe auf Bahn-Mitarbeiter

Widerstand hätten Tatverdächtige in mehr als 190 Fällen geleistet. 2016 seien es noch 116 Widerstandshandlungen gewesen. Aggressivität und Respektlosigkeit gegenüber den Beamten seien weiter gestiegen. Die Zahl der Angriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn habe sich den Angaben zufolge mehr als verdoppelt – von 22 auf 49.

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Einen besonderen Gewaltschwerpunkt hat die Bundespolizei Schmelzer zufolge am und um den Hauptbahnhof in Halle ausgemacht. "Das ist durchaus mit Sorge zu betrachten." Gewaltdelikte und Widerstandshandlungen seien in Halle besonders häufig – der Grund ist noch unklar. "Wir beobachten das noch", sagte der Polizeioberrat. Die Klientel sei vergleichbar mit der in anderen Ballungsräumen. Die Bundespolizei sei nun verstärkt vor Ort – in Zivil und in Uniform.

Mobile Einsatzgruppen

Aber auch landesweit plant die Bundespolizei verstärkt Fahndungseinsätze, um Straftätern auf die Spur zu kommen und der Bevölkerung zugleich ein besseres Sicherheitsgefühl zu geben. Dafür werde es Mobile Einsatzgruppen von etwa fünf Beamten geben, die gezielt kontrollierten.

Ein deutliches Plus von knapp 1700 auf rund 2860 Taten verzeichnete die Bundespolizei bei den Vermögensdelikten wie Betrug und Schwarzfahren. Der Trend hin zum Online-Betrug mit Fahrkarten hat die Bundespolizisten im Jahr 2017 beschäftigt. Etwas mehr als 300 Tatverdächtigen seien in der Summe rund 939 Betrugsfälle zugeordnet worden – pro Tatverdächtigem seien oft mehrere Hundert Euro Schaden für die Deutsche Bahn entstanden. Derzeit werde ermittelt, inwieweit es sich schon um eine Form organisierter Kriminalität handle, sagte Schmelzer.

Mehr Schwarzfahrer

Auch beim Schwarzfahren, das die Bundespolizei für ein Einstiegsdelikt hält, sind die Zahlen von rund 1350 auf mehr als 1660 Fälle gestiegen. Oft würden über die fehlende Fahrkarte per Haftbefehl Gesuchte erwischt, viele hätten Drogen dabei, Waffen oder auch Diebesgut. Bei ihren Kontrollen in Zügen und an Bahnhöfen hat die Bundespolizei in Sachsen-Anhalt 2017 mehr Gesuchte entdeckt. 1126 Fahndungstreffer seien es gewesen und damit 245 mehr als noch 2016.

Bahnhöfe, deren Umfeld und die Züge sind weiter ein Schwerpunkt der Drogenkriminalität, wie die Statistik der Bundespolizeiinspektion weiter zeigt. 2017 n demnach 244 Drogendelikte registriert. Das entspricht mehr als einer Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr, als 105 Drogenvergehen aufgedeckt wurden.