Wolmirstedt l Dem Bundespräsidenten haftet noch immer ein Beamten-Image an. Aus den Zeiten, in denen der damalige Kanzleramtsminister von Gerhard Schröder die Politik mitbestimmte, aber öffentlich etwas hölzern wirkte. Das ist Geschichte. Steinmeier plaudert mit den Wolmirstedter Schülern locker und ausführlich – als würde sein Enkel hier die Schulbank drücken. Der Aufenthalt verlängert sich beträchtlich.

Frank-Walter-Steinmeier isst auch mit den Schülern. Wie die Mädchen und Jungen hat er die Wahl: Entweder Dinkelschitzel mit Nudeln oder Schweinebraten mit Gemüse und Kartoffeln. Der Präsident entscheidet sich für die fleischhaltige Kost.

Die Johannes-Gutenberg-Schule ist eine Ganztagseinrichtung mit gemischten Klassen von Sekundarschülerin und Abiturienten. Der DDR-Bau wurde saniert und um einen Anbau erweitert.

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Hier befinden sich verschiedenen Werkstätten und Versuchsräume, in denen Schüler Fahrräder aufpolieren oder Pflanzen ziehen. Sie sind das große Plus der Schule und verhalfen den Wolmirstedtern zur Auszeichnung als „Starke Schule“ im bundesweiten Wettbewerb um eine möglichst berufsnahe schulische Ausbildung.

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Besuch der Fahrradwerkstatt

Marvin Schlee, Klasse 7a, ist in der Fahrradwerkstatt beschäftigt. Ihm macht das eine Menge Spaß. Die alten Räder, die die Schüler wieder zusammenflicken, werden sogar zu Kapital: Für die Schülerfirma, die die Drahtesel verkauft. An der Gutenberg-Schule gibt es gleich mehrere davon. „Sehr freundlich“ sei der Bundespräsident gewesen, findet der 13-Jährige.

Im benachbarten Ökologie-Raum hat eine Schülergruppe gut zu tun. Kyra Sabbarth schaut beim „Kokodama“ kaum hoch. Das sei eine japanische Technik, berichtet die Siebentklässlerin, mit der Pflanzen länger haltbar gemacht werden können. „Dazu wird der Wurzelballen mit Lehm und Moos umgeben und dann mit Faden eingewickelt“, erklärt Kyra, die schon wieder ein Exemplar fertig gewickelt hat. Gärtnerin will sie aber nicht werden, sondern nach dem Abitur vielleicht zur Bundeswehr gehen.

Wass würde sich Biologie-Lehrerin Stefanie Hennig vom Bundespräsidenten wünschen, so sie es könnte? Da überlegt die Pädagogin nicht lange und sagt lächelnd: „Er soll dafür sorgen, dass mehr Lehrer eingestellt werden.“ Für Wolmirstedt, wo sie seit drei Jahren lebt, fände sie eine bessere städtische Infrastruktur wünschenswert.

Ein einziges politisches Statement gab es beim Steinmeier-Besuch in Wolmirstedt: In der Meseberger Straße hat jemand eine AfD-Fahne am Balkon aufgepflanzt. Der Präsident wird sie nicht gesehen haben.