Bitterfeld-Wolfen (dpa) l Von der Chemieregion Bitterfeld bis zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich und Wittenberg: 130 Botschafter aus aller Welt haben gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Sachsen-Anhalt bereist. Einmal pro Jahr lädt der Bundespräsident das Diplomatische Korps zu einer Reise ein, um die Vielfalts Deutschlands vorzustellen.

Beim Besuch bei der Bayer Bitterfeld GmbH, die mit gut 400 Mitarbeitern Aspirin-Tabletten und anderen Medikamente für 50 Länder produziert, würdigte das Staatsoberhaupt am Mittwoch die Leistung der Menschen beim Wiederaufbau nach der Wiedervereinigung. Hier werde die Eigenschaft der Deutschen und Deutschlands deutlich, dass man Zustände ändern wolle, die unbefriedigend sind.

"Es ist durch die Hilfe der Politik, vor allem aber durch den Ehrgeiz und den Willen von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hier vor Ort gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, dass niemand daran denken konnte, den Chemiestandort zu schließen", sagte Steinmeier. "Rückblickend wird man von glücklichen politischen Konstellationen und von Verantwortungsbewusstsein auch in der Wirtschaft sprechen können."

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte, der Besuch in Sachsen-Anhalt mache möglicherweise Diplomaten aus Ländern, die sich in einer Umbruchsituation steckten, Mut. Auch in der Region Bitterfeld etwa sei "alles auf Null gestellt" gewesen.

Weiterfahrt nach Dessau

Steinmeier und die Botschafter aus Ländern wie China, Indien, Afghanistan, der Türkei, aus vielen europäischen und afrikanischen Ländern fuhren mit drei schwarzen Reisebussen durch die Region. Nach dem Besuch in der Medikamenten-Produktion reisten die Diplomaten weiter ins Dessau-Wörlitzer Gartenreich. Eine idyllische Gondelfahrt musste wegen des regnerischen und windigen Wetters abgesagt werden.

Steinmeier richtete sich im Park, der entsprechend aufklärerischen Gedanken als einer der ersten für alle Bürger öffentlich zugänglich war, auch dem Internationalen zu. Es sei beunruhigend, in wie vielen Weltregionen die Grundpfeiler von Menschenrechten, von Toleranz und Demokratie selbst von höchster politischer Stelle in Frage gestellt würden. Selbst innerhalb Europas besäßen die politischen Errungenschaften der Aufklärung wie Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung scheinbar nicht mehr zweifelsfreie Geltung.

Der Bundespräsident wies auf die wichtige Rolle der Diplomaten hin: "Sie haben eben nicht nur die Aufgabe, die täglichen, operativen Beziehungen unserer Regierungen friedlich und zu beiderseitigem Nutzen zu gestalten. Sondern sie haben auch die wichtige Rolle von Brückenbauern und von Übersetzern, die den Perspektivwechsel und die Verständigung zwischen unseren Gesellschaften ermöglichen."

Nach Bitterfeld und dem Gartenreich stand auch noch Wittenberg auf dem Besuchsprogramm der Diplomaten.