Magdeburg l Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hält eine Jamaika-Koalition auf Bundesebene für möglich. „Für eine beschränkte Zeit gibt es immer Schnittmengen“, sagte er der Volksstimme. „Ich halte ein Dreierbündnis auf Bundesebene für praktikabel und umsetzungsfähig.“ Dass die SPD bereits jetzt angekündigt habe, die Große Koalition nicht fortsetzen zu wollen und in die Opposition zu gehen, bedauere er, sagte Haseloff. Zum Ergebnis der CDU sagte er: „Erfreulich ist, dass keiner gegen uns regieren kann.“ Die Stimmenverluste der CDU führte er auf fehlende Antworten auf Zukunftsfragen zurück. Fragen nach dem Umgang mit Flüchtlingen seien nicht ausreichend beantwortet worden. Gleiches gelte für Fragen zur Zukunft in der Europäischen Union.

Grünen-Fraktionschefin Cornelia Lüddemann sagte, das Ergebnis bei der Bundestagswahl sei ein Erfolg. Aber: „Bitter ist, dass eine Nazi-Fraktion in den Bundestag einzieht.“ Das werde die Art der Auseinandersetzung im Parlament und das Ansehen Deutschlands „dramatisch verändern“, sagte sie. Eine Jamaika-Koalition sei machbar, erklärte sie. Allerdings würden die Grünen auf Forderungen wie dem Braunkohle-Ausstieg beharren. FDP-Landeschef Frank Sitta sagte, seine Partei sei angetreten, um Verantwortung zu übernehmen. „Wir sind für Koalitionsgespräche offen.“ Allerdings fehle ihm derzeit die Fantasie, wie man mit den Grünen zusammenkommen könne. Er kritisierte die SPD, deren Verhalten von „wenig staatspolitischer Verantwortung“ zeuge.

SPD-Landeschef Burkhard Lischka führte das schwache Abschneiden seiner Partei auf zu wenig sichtbaren Streit in der Koalition mit der Union zurück. Er sei der Spitze der Bundes-SPD sehr dankbar, dass sie den Weg in die Opposition verkündet habe. Linken-Landeschef An­dreas Höppner sprach von einem guten Ergebnis für seine Partei: „Die Wähler haben eine ganze Menge Vertrauen in uns, das ist eine wichtige Sache.“

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Martin Reichardt, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, sprach von einem historischen Tag: „Das ist die Geburtsstunde einer neuen Volkspartei in Deutschland.“

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